Vier eigene Wände machen einen Menschen frei

Gestern habe ich einen Anruf bekommen, dass die Wohnung, in die ich ziehen werde, aktuell leer steht und ich den Schlüssel dementsprechend schon früher haben kann. Ich freue mich riesig! Am Freitag morgen bekomme ich die Schlüssel zu meiner neuen Wohnung! Und dann habe ich einen Monat Zeit für meinen Umzug. Und was soll ich sagen? Ich habe noch nicht eine einzige Kiste gepackt!

Aber dann kommt das eben noch. Auf jeden Fall werde ich die Gelegenheit nutzen und ordentlich aussortieren! Ich will möglichst wenig Ballast und Altlast mitschleppen! Ich habe lange genug gesammelt und jetzt ist es an der Zeit Platz für neues zu machen. Und wann findet sich eine bessere Gelegenheit als jetzt?! Ich habe mit dem schwierigsten angefangen – Bücher! Ich liebe Bücher. Aus Platzspargründen und weil es ja, ach so, cool und praktisch sein soll mal ein kindle zugelegt. Ja, schön und gut, aber es fristet ein einsames und trostloses Leben in meiner Nachttischschublade. Es IST praktisch, es ist cool und es spart Platz. Aber es ist so maßlos unromantisch und steril. Allein das Gefühl ein Buch in der Hand zu haben, das Cover zu streicheln und der Gestank nach Papier und Druck ist doch etwas ganz anderes. (Ich finde wirklich, dass neue Bücher ungemein stinken! Aber es gehört eben dazu.) Also, ich habe Bücher aussortiert und nicht nur Bücher, die ich nicht mag, sondern kreuz und quer. Übrigens  auch Shades of Grey. Das ist im Grunde auch nur eine fürchterlich kitschige Schnulze. Aber das ist ein anderes Thema.

Kann sein, dass ich das ein oder andere vermissen werde, aber was ich über Jahre nicht in der Hand hatte und mir nicht am Herzen liegt, kommt weg. Aber ich kann keine Bücher wegschmeißen! Und ich hab auch keine Lust aus allem Geld zu schlagen. (Ich hab’s ja  – NICHT!) Aber ich erfahre immer mehr, dass Karma tatsächlich funktioniert und deswegen werde ich die Bücher spenden! Ich habe auf Facebook gefragt, wer sammelt und habe viele schöne Ideen bekommen. Heute Abend gehe ich noch mal durch meine Bücherregale (ja, mehrere!) und vielleicht teile ich sogar auf. Und dann geht es weiter. Umzugskiste, spenden oder Müll. Ich bin gespannt auf welche Schätze ich stoße, und wie leicht oder schwer die jeweilige Trennung tatsächlich fällt. Aber ich freue mich darauf und auf alles, was ich durch den Umzug über mich lernen darf!

Projekt 52 Wochen (Nr. 1)

Hier ist also der erste Beitrag von 52 Wochen. Den aktuellen Beitrag von Zeilenende, der mich üerhaupt erst auf die Idee gebracht hat, findet ihr hier.

Und fast hätte ich kein Selfie gemacht. Denn auf einmal ist es seltsam. Was ziehe ich an, schminke ich mich extra, welchen Hintergrund nehme ich? Also doch typisch Frau, die nachher „Schnappschuss“ oder „Iwokeuplikethis“ drunter schreibt.

Heute morgen habe ich Frühstücks-Haferflockenmuffins gebacken und wollte diese fotografieren. Und am Besten das Rezept dazuschreiben. Aber das Problem ist, dass ich nie Rezepte einhalte. Ich fange an, merke dass irgendwas fehlt und dann wird improvisiert. Also machen Rezepte bei mir herzlich wenig Sinn.

Ich habe im Hintergrund die Passionsblume auf meinem Balkon. Meine Lieblingspflanze. Aber da ich in ein paar Wochen umziehen werde, und die neue Wohnung leider keinen Balkon hat, ist die Passionsblume heute in den Schrebergarten meiner Eltern umgezogen. Ich hoffe, sie akzeptiert den neuen Platz und wächst üppig. Kleingarten… das ist ein ganz eigener Mikrokosmos. Da wird genau beobachtet, wer wann was macht, wer mit wem spricht oder auch nicht spricht…. es ist fürchterlich. Also im Grunde bin ich gerne draußen und schalte im Garten richtig ab. Aber manchmal nervt es auch, weil man eben nicht seine Ruhe hat. Und Menschen, die auf ihre Mittagsruhe bestehen, holen Sonntags den Laubbläser raus.

Na ja, wie auch immer. Ich freue mich auf meinen Umzug bzw. auf die neue Wohnung. 62 qm über zwei Etagen, ganz für mich allein. Ich habe meinen eigenen Eingang! Und da ich jetzt Nachbarn habe, die beweisen, dass Sendungen wie „Mitten im Leben“ wirklich passieren.

Mhhh. Ich merke gerade, dass ich mit der ersten Woche, noch nicht so richtig weiß, was ich eigentlich machen soll. Ich wollte doch schauen, wo ich gerade stehe. Aber letztendlich, weiß ich das im Moment selbst nicht. Der letzte Monat Probezeit bricht an, werde ich diese überleben? Und wird mein Vertrag verlängert? Was bringt der Umzug? Klappt finanziell alles? Welche Freundschaften werden bestehen, neu entstehen oder enden? Was werde ich noch erkennen? Schaffe ich es wieder abzunehmen? Will ich das überhaupt? Und die größte aller Fragen: Wird es jemals jemanden geben, der mit mir eine Beziehung führen möchte? Denn dieses „Du bist eine tolle Frau, aber….“ kann ich nicht mehr hören. Oder auch schön „Sei froh, dass aus uns nichts geworden ist.“ Nee, klar. Ich laufe seit Jahren glücklich durch die Gegend, weil mich keiner ernsthaft will. Das klingt jetzt unheimlich frustriert und das bin ich zwischendurch auch. Aber andererseits bin ich gerade so mit mir beschäftigt, dass ich nicht weiß, ob ich für jemanden tatsächlich und aufrichtig Platz machen kann.

Gefühlt steht gerade alles auf dem Sprung, auf der Kippe. Aber so ist das eben. Ich glaube, die Idee von Balance, in der alles ausgeglichen ist, ist totaler Quatsch. Eine Wippe macht auch nur Spaß, wenn es mit Schwung auf- und abgeht. Wichtig ist, dass es nicht stehen bleibt. Und das habe ich definitiv nicht vor!

 

Ich hoffe, die zweite Woche wird weniger chaotisch. Aber garantieren kann ich es wohl nicht. 😉

Projekt 52 Wochen

vintage-1499547_640Nach dreimonatiger Abstinenz habe ich mich gestern mal wieder mit meinem Blog befasst und habe mich auch umgeschaut, was andere so treiben. Über Umwege und Verlinkungen bin ich so bei Zeilenende gelandet. Er sagt über Selfies u.a.: „Was auch immer der konkrete Anlass für ein Selbstbildnis ist: Wir dokumentieren mit dem Selfie eine bestimmte Situation. Es ist eine Momentaufnahme (dokumentarischer Charakter) in einer bestimmten Position, die uns zum Mittelpunkt des Geschehens macht (künstlerischer Charakter).“

Das finde ich schon unglaublich spannend. Und es stimmt. Es ist dokumentarisch und künstlerisch, manchmal hochgradig ausgeklügelt was Hintergrund, Position, Make-up usw. angeht (ich bin eine Frau, wir machen 500 Selfies, um ein schönes Foto zu haben), aber manchmal tatsächlich einfach nur Schnappschuss. Es hält den aktuellen Moment so fest, wie man gerade in ihm steckt. Das spricht mich direkt an, weil ich gerne über mich selbst nachdenke, mich reflektiere und überlege, wo ich gerade stehe und warum überhaupt und wie ich dorthin gekommen bin und wo ich vor einem Jahr noch war, also Bilanz ziehe. Deswegen ist der Gedanke so spannend sich über ein Jahr hinweg wöchentlich anzuschauen, wo man gerade ist.

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Alles neu macht der…. September?!?!

Warum habe ich so lange nichts geschrieben? Warum sieht hier plötzlich alles anders? Und warum bitte ein anderer Name?

Na ja, weil Colours & Candy eben doch nicht so richtig stimmt. So bunt und süß und fröhlich bin ich gar nicht. Manchmal schon, aber eben nicht immer. Jetzt kann man natürlich sagen, dass jeder seine dunklen Seiten hat. Stimmt. Aber meine dunkle Seite sind eben Depressionen. Und wenn ich eine schlimme Phase habe, dann gibt es keine Farbe und Süße mehr. Dann gibt es nur noch Dunkelheit und Leere. Okay, ich gebe es zu. Natürlich gibt es die Farbe noch, aber ich kann sie nicht sehen. Schwer zu verstehen, wenn man nicht betroffen ist. Aber ich sage gerne zu Freunden: „Freut euch darüber, dass ihr es nicht versteht!“

Ich bin in Therapie und habe viel dazu gelernt und vieles geändert. Ich war so positiv, dass ich mir eine neue Brille gekauft hab, mir die Haare kurz schneiden ließ, weil ich unbedingt wollte, dass sich die gefühlte Veränderung auch nach außen zeigt. Ich musste es mir selbst deutlich machen, dass sich etwas geändert hat. Denn wie immer will ich alles und sofort. (I want it all- and I want it now! Das sagt ja auch schon Freddie!) Aber die neue Farbe war nach 2 Wochen ausgewaschen und die neue Brille ist nur eine Variation der alten, so dass niemand den Unterschied merkt – nichtmal ich.

Als dann eine neue Welle der Depression über mich hereingebrochen ist, war alle Illusion der Veränderung dahin und ich hatte das Gefühl, dass ich kein Stück weiter gekommen bin. Neuer Job, 15 kg zugenommen, Freundschaften die zerbrochen sind und ich bin wieder allein mit gebrochenem Herz und leerer Seele. Natürlich esse ich dann; damit wenigstens der Magen voll ist….

Aber es ist anders. Den neuen Job habe ich nicht, weil ich mal wieder hin- und hergeschoben wurde und das Gefühl habe, dass ich keine andere Wahl hatte, sondern ich wurde empfohlen und hatte die WAHL! Es war meine freie Entscheidung.

Gut, ich habe 15 kg zugenommen und das stört mich. Aber es ist einfach auch viel Arbeit gerade. Nicht nur der Job, sondern eben auch Arbeit an mir. Das habe ich nie so gesehen. Aber natürlich ist es auch Arbeit, wenn man sich um sich selbst kümmert und sich ernst nimmt.

Und die Freundschaften sind auch nicht (nur) zerbrochen, weil ich mich dumm angestellt habe, sondern weil es meine Entscheidung war. Ich mache mir Gedanken, ob ich das als Freundschaft ansehe und ob ich das so weiter führen möchte. Von wegen es hat sich nichts geändert!

Aber das musste mir erstmal klar werden. Und das ist mir nicht  nur durch meine Therapeutin klar geworden (die ich übrigens unheimlich mag), sondern durch Leute, die ich eigentlich gar nicht so gut kenne. Die Leute, bei denen ich mich sonst auskotze sind weg. Die anderen wollte ich irgendwie nicht einbeziehen und auf einmal waren Leute da, von denen ich es nie gedacht hätte. Und da ist es nur so rausgesprudelt. Also scheinbar habe ich grundsätzlich ja schon das Bedürfnis mich mitzuteilen. Es kam auch der Rat, dass ich schreiben soll. Gedichte, Lieder oder einfach so. Gerade in den schwarzen Phasen.

Das kann ich doch auch hier! Aber das passt dann so gar nicht zu colour & candy! Also hätte ich am liebsten alles schwarz gemacht und den Namen in etwas düsteren geändert. Aber halt! Dann ist es ja auch wieder nicht richtig. Ich bin keine Depri-Uschi, die den ganzen Tag jammert. Ich bin eben beides. Farbe und Dunkelheit. Und deswegen auch Colours & Darkness!