Reiki und die Frage nach dem Selbst

Seit ich Yoga mache, drifte ich immer mehr in die Esoterik.

Okay, ich habe schon immer gerne mein Horoskop gelesen, wollte gerne mal aus der Hand, dem Kaffeesatz oder sonstwas lesen lassen. (Keine weiteren Körperteile! – Gibt es aber bestimmt auch)

Und da ich weiß, dass eine meiner Yogahasen auch Massagen und Reiki anbietet, war es in dieser Woche endlich so weit. Ich bin zum ersten Mal zu einer energetischen Massage gegangen.

Lichtkreis.at sagt zu Reiki: „Das Wort „Reiki“ ist ein japanisches Wort und bedeutet „universale Lebensenergie“. Reiki ist eine sehr alte, natürliche Entspannungsmethode, die zur Harmonisierung des Energiehaushaltes führt. Reiki ist eine Methode des Handauflegens zur Stärkung und Regenerierung von Körper, Geist und Seele. Reiki ist ebenso ein spiritueller Weg zu sich selbst. Es ist eine einfache und wirksame Methode zur Übertragung dieser Energie. Sie wird als jene Kraft bezeichnet, die unseren Körper nährt und erhält. Durch Auflegen der Hände des Reiki Eingeweihten kommt ein Energiefluss zustande, der als Wärme, Kribbeln oder auch als Pulsieren wahrgenommen werden kann (aber nicht muss).“

Im Grunde war es eine Wellnessmassage – also ohne Muskelkater am nächsten Tag – bei der ich schon fast eingeschlafen wäre und eben dieses Handauflegen. Mir wurde vorher gesagt, es könnte sich warm anfühlen, kribbeln und so anfühlen als würde ich meinen Körper gelassen. Ich habe mich einfach nur wohlig, geborgen gefühlt. Reiki am Kopf hat unfassbar gekribbelt. Schon bevor die Hände überhaupt meine Stirn berührten. Aber das kenne ich sogar schon vom Yoga. Eine Yogalehrerin ist so energiegeladen, dass ich das dort auch immer spüre. Aber dann wurde mir kalt. Sollte das nicht eigentlich warm sein? Aber es war wie frische Luft oder kaltes Wasser. Und das ist ja auch erstmal irgendwie angenehm. Das „schlimme“ war, dass ich nicht wirklich locker lassen kann. Ich hatte die ganze Zeit großes Kopfkino und als zu mir gesagt wurde, ich solle locker lassen, wusste ich einfach nicht wie!

Ich glaube, meine Erwartungen standen mir wieder ein bisschen im Weg. Komischerweise warte ich immer noch auf DEN Moment, in dem mir meine Bestimmung vor die Füße fällt, ich sie aufhebe und von da an ein glückliches und erfülltes Leben führe. Klingt gut, oder? Ist aber leider eher unwahrscheinlich. Was ja nicht heißt, dass man still und heimlich doch darauf hoffen kann.

Nach der Massage und Meditation hatten wir noch ein nettes Gespräch, wobei ich gar nicht viel erzählen konnte, da es im Kopf nur noch gerattert und im Herzen gepocht hat. Ich habe nämlich eine Nachricht von meiner Oma bekommen. „Du gehst deinen Weg und du machst das gut!“ Aber von meiner Oma? Von welcher? Und warum? Ich hatte zu keiner ein besonders inniges Verhältnis.

Auch habe ich während der Massage immer wieder den Gedanken gehabt, dass es ganz allein MEIN Weg ist und ganz egal, wer vor läuft oder wo die anderen gerade sind, ich muss meinen Weg gehen. Dass dann so eine Botschaft kommt, ist schon fast gruselig.

Aber vielleicht sind es gar nicht nur Ideen und Gedanken, sondern tatsächlich auch Energien oder so? Wir haben beide an meine Lieblingsyogalehrerin gedacht und mein Yogahase war direkt der Meinung, dass die Lehrerin an uns gedacht haben muss, weil ihre Energie bei uns war. Vielleicht bin ich empfänglicher als ich dachte. Oder ich spinne einfach nur rum und habe den Esoterikkram tatsächlich zu sehr übernommen. Ich habe sogar darüber nachgedacht, die neue Wohnung auszuräuchern, um schlechte Energien herauszubringen.

Der Mittwoch hängt mir übrigens noch nach bzw. das Feedback, dass ich bekommen habe.
Die Nachricht meiner Oma rührt mich zu Tränen, da ich gerade viel über meinen Weg nachdenke und so oft das Gefühl habe, hinterherzuhinken.
Auch dass ich im Moment rebelliere ist vollkommen richtig. Aber eben auf meine und nicht so offene Art. Ich bin nur aus Prinzip schon gegen das, was mir vorgeschrieben und gesagt wird. Ich glaube, das ist jetzt die Gegenreaktion, weil ich lange, lange Zeit immer alles angenommen und übernommen habe, was andere gesagt haben. Aber mit der Zeit wird sich das einpendeln, so dass ich die Aussage mir erst anhöre und dann bewerte.
Die Frage, wer ich denn eigentlich bin, beschäftigt mich noch. Aber ich glaube, dass viele Menschen diese Frage nicht so einfach beantworten können. Wenn man „Wer bin ich“ bei Google eingibt, bekommt man lauter Psychotests angezeigt. Und natürlich das Buch „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ ICh bin also mit dem Thema gar nicht so allein.
Dazu fällt mir auch immer ein:
Ich wäre irgendwann gern stark und etwas weniger ironisch,
vielleicht ein bisschen mehr bei mir, nicht ganz so melankomisch.
Ich wäre irgendwann gern alt und vielleicht ein bisschen weise,
ich weiß noch nicht wie bald und auch nicht auf welche Weise.
Und am schönsten:
Ich bin kein süßes Mäuschen, keine Prinzessin, keine Diva,
ich bin unter weißen Pudeln eher der goldene Retriever.
Manchmal wär ich gerne zarter, aber das hat keinen Zweck,
ich bin kein Modelmädchen, ich bin komplett unperfekt.
 (Beides von Julia Engelmann)
Aber ich habe zu hohe Ansprüche und bin immer zu streng. Vor allem mit mir selbst. Es geht immer höher, schneller, weiter. Dabei bin ich gerne mal faul und gemütlich, esse gerne Kuchen und ziehe mich gerne zurück. Ich bin gerne mit anderen zusammen, aber ich brauche meinen Rückzug. Ich höre lieber zu als zu reden, beobachte lieber, als im Mittelpunkt zu stehen. Ich möchte mich um andere kümmern, dafür sorgen, dass es ihnen gut geht, sie inspirieren oder manchmal auch nur ein Lächeln schenken.
Ich stehe mir oft selbst im Weg und mache es dann auch anderen schwer. Ich habe so viele Interessen, dass es mir manchmal schwer fällt alles zu schaffen und die Balance zu halten. Ich mache gerne Pläne und weiß, was mich erwartet, trotzdem glaube ich daran, dass immer alles anders kommt als geplant und mache immer wieder Dinge vor denen ich Angst habe und die ich mir eigentlich gar nicht zutraue. Ich hätte gerne einen Partner an der Seite, aber ich bin noch so mit mir selbst beschäftigt, dass ich mich frage, ob an meiner Seite überhaupt genug Platz ist und vor allem, will ich in meiner Entwicklung nicht behindert werden. Denn ich bin noch nicht fertig, ich hab mich noch nicht so richtig gefunden, aber ich weiß ja jetzt, dass ich auf einem guten Weg bin.
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