Projekt 52 Wochen (7)

Jede Woche poste ich etwas Selfie-mäßiges. Darauf gekommen bin ich durch Zeilenende.

Auch Gertrud TrenkelbachMarinscheMulticolorinasolera1847und Wili machen mit – zum Großteil auch viel länger als ich.

Alle bisherigen Beiträge dazu findet ihr hier.

In dieser Woche möchte ich euch und mir selbst zeigen, dass ich nicht nur Depri-Uschi bin. Dieses Selfie habe ich diese Woche im Büro gemacht. Meine Arbeitskolleginnen lassen gerne die Rolläden herunter, damit die Sonne nicht blendet, aber da ich an einem Tag alleine war, habe ich erstmal alles hoch gekurbelt und die Fenster aufgerissen. Nachmittags kam die Sonne rum, dass ich kaum etwas sehen konnte, denn ich sitze ganz unergonomisch und arbeitsrechtlich nicht ganz okay, mit dem Blick zum Fenster und der Tür im Rücken. Das war aber so wunderschön, dass ich erstmal das super Licht nutzen musste.

Am Mittwoch hat mir meine Arbeitskollegin ihren Massagetermin überlassen.  Ja, es kommt tatsächlich jeden Mittwoch ein Masseur oder eine Masseurin und man kann sich für schlappe 7 € bis zu 30 Minuten massieren lassen. Den Rest zahlt mein Arbeitgeber dazu. Leider sind die Termine im Moment auf Wochen schon vergeben. Also habe ich mich sehr gefreut, weil ich wirklich auch Schmerzen hatten und mein Nacken sogar noch verspannter ist als sowieso schon. Scheinbar hat der gute Mann aber gedacht, dass er bei meinem Betonnacken ruhig fester zupacken kann. Erst war auch alles super, aber nachmittags konnte ich schon den Kopf nicht mehr drehen, später nicht mal zu Seite neigen oder meinen Arm heben. Ich darf gar nicht erzählen, wie ich nach Hause gefahren bin. Donnerstag habe ich mich dann direkt mal krank gemeldet, weil ich nachts nicht geschlafen habe. Wie auch, wenn man gar nicht weiß, wie man liegen soll?! Und das wegen einer Massage.

Natürlich haben sich direkt meine Eltern eingeladen und hier gewerkt. Aber man hätte ja mal wenigstens fragen können, wie es mir geht.

Freitag morgen hatte ich einen Termin bei meiner Psychologin. Wir weiten die Abstände zwischen den Terminen jetzt aus, damit ich so langsam lerne alleine mit den Abgründen umzugehen. Sie sagt, dass sie sich um mich keine großen Sorgen macht. Aber sie hat auch gefragt, wie lange meine Eltern noch einen Schlüssel zu meiner Wohnung haben. Eigentlich will ich ja nur, dass jemand einen Schlüssel hat, weil ich ein ausgeprägtes Talent dafür habe, mich auszusperren. Aber wie zum Beweis, hatte meine Mutter gleichzeitig für mich eingekauft, war in meiner Wohnung und hat alles eingeräumt. Wann sieht sie endlich ein, dass ich erwachsen bin und man nicht einfach in einer anderen Wohnung so rumwerkelt. Wann sieht sie mich überhaupt? Die ewige Frage. Ich habe schon in der Therapie bitterlich deswegen geweint. Ich muss mich um das kleine trienchen kümmern, dass immer noch hofft, dass die gute Fee kommt und dann alles anders wird. Denn das kleine trienchen will einfach nur gesehen werden. Mit allem, was es ist und kann. Meine Eltern konnten und können es leider nicht. Aber vielleicht schafft es das große Trienchen, die Kleine ein bisschen zu versöhnen.

Diese Woche ist mir klar geworden, dass ich mich viel zu wenig um mich selbst gekümmert habe. Und damit muss ich jetzt wieder anfangen, damit die Laune besser wird. Heute war ich schon mal bei meinem Patenkind und habe lecker Torte gegessen.

Das Bild ist ja schon mal ein schöner Anfang. Ich habe es übrigens auch als neues Facebook-Profilbild eingestellt und das schönste Kompliment kam von einer ehemaligen Arbeitskollegin. „Du strahlst so viel Lebensfreude aus!“ Wie wundervoll. Als Kind wurde mir mal gesagt, ich würde immer so aussehen, als hätte man mir etwas getan. Und ich habe das geglaubt. Wenn es hieß, ich solle nicht so grimmig gucken, habe ich es nicht verstanden. „Das ist doch mein Gesicht!“, habe ich immer gedacht. Wie großartig, dass das gar nicht stimmt! Und wie toll, dass ich mich so oft als Depri-Uschi und anstrengend empfinde und ich es trotzdem nicht (dauerhaft) ausstrahlen. Und genau deswegen hat mich dieser, mal eben hingeschriebene Satz, ganz tief im Herzen berührt.

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7 Kommentare

  1. Pingback: 52 Wochen (37): Hautnah (2) – Zeilenendes Sammelsurium

  2. Es gibt keine blöde Fragen 🙂 jede Frage hat eine Antwort verdient!

    Bei mir hat es über 10 Jahre und viiiiiiiele Gespräche mit sehr tollen (richtigen) Freunden gedauert, bis ich endlich an dem Punkt war, bei dem ich mir denke „meine Wünsche / Träume / Taten sind mir wichtiger als die Meinungen anderer“. Ich habe es gemerkt, als ich einem Familienmitglied endlich meine Meinung offen sagen konnte. Als ich endlich den Mut hatte um zu sagen „Du tust mir nicht gut und DU hast mich immer und immer wieder eingeschränkt“. Ich habe es auch extrem gemerkt, als ich endlich das Gefühl bekam, dass ich alles machen kann was ICH will und nicht was andere von mir verlangten oder erwarteten. Ich will nicht nach jemandem leben, ich will mein eigenes Leben und mir nichts vorschreiben lassen 🙂 Je mehr du dir das bewusst machst, umso klarer wird es dir und dann kommt irgendwann wirklich dieser „Klick“-Moment, glaub mir… das kann wirklich eine Zeit lang dauern und wie gesagt, bei mir waren es über 10 Jahre bis ich ansatzweise dieses gute Gefühl bekam! Aber das kommt noch! Versprochen!

    Du musst einfach auch mal über deinen Schatten springen und dir denken: je mehr Leute zu mir sagen ich kann das nicht, umso mehr kann ich es doch! Probier es einfach mal aus 🙂 es ist nicht leicht, aber ein unglaubliches Gefühl, wenn man es dann doch geschafft hat!!

    xoxo, L.
    —————-
    http://www.LiyahGoesHollywood.de

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  3. Pingback: Fitnessprojekt 52 – Woche 23 – gertrud trenkelbach blog

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