Depri-Uschi, geh weg!

Heute war ein fürchterlicher Tag! Schon am Wochenende hatte ich das Gefühl, dass meine alte Freundin Depri-Uschi wieder ihre gierigen Finger nach mir ausstreckt, um mich wieder mit in die Dunkelheit zu nehmen. Und ich will das nicht! Ich bin es so leid.

Mein Psychiater am Freitag war der Meinung, ich könnte die Tabletten absetzen. Nur wegen der Dunkelheit und des Wetters, würde sich eher das Frühjahr anbieten. Das sehe ich genauso und ich weiß auch nicht, ob ich ohne Medis zurecht komme. Ich nehme ja sowieso eher eine homöopathische Dosis, aber es ist nun mal keine Homöopathie. Puuh, ganz schön schwierig. Und ich frage mich, ob er das beurteilen kann, wenn er mich einmal in drei Monaten für 10 Minuten spricht. Wir werden sehen… ich habe jetzt ja noch einige Monate.

Aber gestern hatte ich schon Angst davor, heute wieder zur Arbeit zu gehen. Arbeitskollegen zu täuschen ist unfassbar anstrengend und schwer. Bei meinen jetzigen Kollegen will ich diese Schwäche auch einfach nicht zeigen. Also saß ich da, mit einer riesigen Angst, dass man mir etwas ansieht, dass sie mich beobachten, dass ich zu auffällig bin. Und davor, dass ich noch mehr Fehler fabriziert habe. Dass Unaufmerksamkeiten zu schwerem Versagen führen und mein Vertrag nicht verlängert wird. Manchmal weiß ich gar nicht, ob ich bleiben möchte, aber ich hätte die Entscheidung gerne selbst. Und mein Chef möchte noch keine Aussage machen, gibt  mir aber auch keine neuen Aufgaben. Weil er umstrukturieren möchte. Aber auch das habe ich schon mal gehört! „Mach dir keine Sorgen, wir brauchen euch alle. Es wird umstrukturiert, aber es wird niemand entlassen!“ Und ganz plötzlich wurde ich zum Gespräch gerufen und es hieß: „Wir müssen mit dir über deine berufliche Zukunft sprechen.“ Was macht man wenn es heißt, die Stelle kannst du nehmen, wir sind überbesetzt?! Und die nächste Stelle war noch schlimmer. Wie soll es auch werden, wenn man eine Stelle annimmt, die man nicht will?

Heute musste ich einen Partner anrufen, um aus Fehlern von ihm einen Rabatt auszuhandeln. Kollegin Emely schaute kritisch: „Wenn ihr etwas rausschlagen wollt, sollte trienchen es nicht machen.“ Mir schossen die Tränen in die Augen. Aber sie hat Recht. Ich kann nicht fordernd sein, auf mein Recht bestehen. Vielleicht auch mal Druck machen. Aber Emely macht es gut, indem sie sagte, dass ich sehr geduldig wäre, was eine unfassbar positive und beneidenswerte Eigenschaft wäre. Sie würde immer zu schnell lospoltern und wäre gerne geduldiger. Aber in dem Fall wäre es besser mehr Druck zu machen. Und da sehe ich: auch da hat sie Recht. Ich bin eben anders. Nicht schlechter, nicht besser, aber anders. Freitag hat sie schon miterlebt, dass ich geduldig war, anstatt die Empfangsdame anzumotzen, die überhaupt nicht weiß, worum es geht. Ich habe mich trotzdem schlecht gefühlt, dass Kollegin  Hanna für mich einspringen muss. Aber sie sagte, es würde ihr Spaß machen, für mich wäre es eine Qual gewesen.

Es ist vielleicht gar nicht alles so tragisch, also hör endlich auf, dich so verrückt zu machen, du olle Trulla! Und am besten hörst du auch auf, dich selbst olle Trulla zu nennen. Nett zu sich selbst zu sein, ist unglaublich wichtig, wenn die Depri-Uschi vor der Tür steht und mich glauben lassen will, dass ich nichts kann und es auch nicht verdient habe, dass mir positives geschieht.

Ich glaube, ich gehe gleich direkt ins Bett. Ein Kamp gegen Depri-Uschi ist anstrengend. Aber heute hat sie mich nicht gekriegt!

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