Mein Bluthochdruck

2013 fand bei meinem damaligen Arbeitgeber ein Gesundheitstag statt mit Vorträgen und Untersuchungen, die angeboten wurden. Ich hatte schon einen Vortrag zum Thema Stress gehört, meinen Rücken untersuchen lassen und ich war für eine Ernährungsberatung angemeldet. Ich hatte riesigen Schiss davor und hätte den Termin am liebsten abgesagt. „Ich muss nicht zur Ernährungsberatung, damit die mir erzählen, ich wäre zu fett!“, habe ich damals gedacht. Denn dass ich mehr als ein paar Pfund zu viel hatte, war mir ja durchaus bewusst. Aber ich bin trotzdem hin. „Haben Sie schon fragen, oder sollen wir erstmal messen?“ Erstmal messen, denn so konnte ich noch Zeit rausschinden, bevor die befürchtete Aussage kommen muss. Also Blutzucker und Blutdruck messen. Beim Blutdruck hab ich schon gezittert und ständig vor mir hergesagt, dass er doch bitte nicht zu hoch sein soll. Denn das hatten schon öfters Messungen ergeben, nur mein Arzt war der Meinung, dass das alles nicht so wild wäre. Bei der Messung hatte ich allerdings einen Wert von 176:97. Also wesentlich mehr als nur leicht erhöht. Diese Werte werde ich nie vergessen. Ich wurde direkt zum Arzt geschickt. Zum Glück hatte ich mittlerweile meinen Hausarzt gewechselt und der führte eine Reihe von Untersuchungen durch und überwies mich auch zum Kardiologen. Ich bekam Medikamente. Und er da merkte ich, welche Spielchen mein Blutdruck vorher mit mir getrieben hatte. Mein Augeninnendruck war zu hoch (fiel dem Augenarzt zwar auch, aber von Blutdruck war keine Rede). Wenn ich eine Treppe herabsteigen musste, wurde mir schwindelig und ich hatte Angst zu fallen. Jeden Tag Kopfschmerzen. Ständig Nasenbluten. Plötzlich war das weg. Und natürlich informiert man sich. Weniger Salz, Bewegung. Entspannung…. Yoga habe ich zum Glück sowieso schon gemacht. Aber Entspannung war trotzdem so eine Sache…. ich hatte einen alarmierend hohen Cortisolspiegel (ein Stresshormon). Aber damals habe ich auch mehr als 40 Stunden die Woche gearbeitet und hatte drei Mal die Woche Schule mit Klausuren und allem, was dazu gehört. Da ich vorher schon zwei Studiengänge abgebrochen habe, wollte ich diese Weiterbildung nicht nur absolvieren, sondern richtig gut machen! Um mir zu beweisen, dass ich was kann und natürlich auch meinen Lebenslauf aufzumöbeln. Aber diese Einstellung, sorgte sichtlich nicht für eine entspannte Haltung.

Ein andere Faktor ist die Gewichtsreduktion. Muss nicht helfen, kann aber. Ich habe einiges umgestellt und damit fast 25 kg verloren. Damit wurde der Blutdruck auch besser, meine Medikamentendosis konnte halbiert werden und mir ging es eigentlich ganz gut. Umso ärgerlicher, dass ich sage und schreibe 17kg wieder zugenommen habe. Mit Vernunft und Verstand hat das nichts zu tun, aber manche Dinge sind auch nicht so einfach. Vor allem wenn essen mehr als reine Nahrungsaufnahme ist! Trotzdem muss von dem Gewicht wieder einiges runter. Aber darum soll es jetzt nicht gehen.

Bei Facebook habe ich eine Bluthochdruckgruppe gefunden. Dort habe ich nicht viel gefragt, aber immer wieder mitgelesen. Und was es nicht alles gibt. Leute die fürchterliche Angst haben, bei der kleinsten Schwankung einen Herzinfarkt zu bekommen. Oder Leute, die Angst vor Medikamenten haben und deswegen alles Pflanzliche ausprobieren. Ich zähle weder zu den einen noch zu den anderen. Ich habe schon einiges getan, aber mich ansonsten wenig beeindrucken lassen. In der Gruppe wurde auch viel über alltägliche Sorgen gesprochen. Aber bei mittlerweile über 4.000 Mitgliedern, passierte, was oft in Gruppen passiert…. Es artet aus! Ständig wurde gepostet, dass die Pharmaindustrie uns krank macht, die Ärzte uns sowieso nur abzocken und die Apotheker erst recht keine Ahnung. Woher kommt das eigentlich? Dass man auf einmal an allem zweifelt, keinem mehr vertraut und alles und jeden anprangert?! Es ist mir ein Rätsel. Die Politiker, die Presse, Ärzte, Polizisten…. alles nur Idioten. Man geht nach Youtube-Videos. Ist das euer Ernst?! Aber spricht man es an, ist man naiv, gutgläubig oder ein dummes Schaf. (Und das noch im besten Fall.) Gutbürger war ich auch schon. Wo leben wir denn, dass das ein Schimpfwort ist?!?!

Ich möchte das nicht! Ich traue meinem Arzt, aber ich verlasse mich nicht nur darauf. Natürlich bekommt er Geld, die Apotheke auch und somit auch die Pharmaindustrie. Aber wenn mir bei meinen Spitzenwerten, jemand erzählt hätte, ich soll nen Entspannungskurs machen und Rote-Beete-Saft trinken, ich weiß nicht, was ich mit demjenigen gemacht hätte. Natürlich ist es nicht schön mit 30 täglich Tabletten zu nehmen. Aber mir ging es dadurch doch soo viel besser. Und warum maßen sich andere an, meine Situation beurteilen zu können?

Heute habe ich das in der Gruppe angemerkt und wurde beleidigt, es wurde sich über mich lustig gemacht und der Ton war wirklich unmöglich. („Man muss halt was tun, anstatt auf der Couch zu sitzen und Kekse zu essen!“ Und das von einem Yogi! Das macht es für mich besonders schlimm, denn gerade die Yogis habe ich anders kennengelernt)

Na ja, ich habe die schlimmsten Großmmäuler blockiert und bin aus der Gruppe ausgetreten. DAS ist definitiv das Beste für meinen Blutdruck.

 

 

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