Insomnia und warme Milch mit Honig

I can’t get no sleep!

Das kenne ich so gut. Es gab Zeiten, da bin ich todmüde ins Bett und sobald ich lag, ging das Kopfkino los. Wie geht dieser Spruch nochmal? Und mein Hirn so, wenn ich versuche zu schlafen: „Ein Schaf, zwei Schafe, drei Kühe, Schildkröte, ENTE, KLAPPSTUHL, YAYAYA COCOJAMBO YAYA YEAH!“ Na ja, Cocojambo klingt ja noch nach Spaß oder zumindest halbwegs witzig. Aber ich habe mich regelmäßig selbst in den Wahnsinn und in die absolute Schlaflosigkeit getrieben. Nicht nur, dass ich den Tag durch meine depri-schwarze Brille Revue passieren lies und mich und mein Verhalten mit einer Boshaftigkeit beurteilte, die für mich selbst heute schwer zu ertragen ist. Warum hast du nicht so reagieren? Warum vergraulst du alle Menschen um dich herum? Was stimmt nicht mit dir, dass dich niemand liebt? So fett wie du bist, will dich niemand. Klein, dick, hässlich mit Brille. Was passiert, wenn auffällt, dass du gar nichts kannst? Heute tun mir diese Gedanken weh, aber es gab Zeiten, da waren diese Fragen ganz selbstverständlich für mich. Und ich habe wieder und wieder nach Antworten gesucht. Und dazu dann noch Angst vor der Zukunft. Weil ich immer das Gefühl hatte überhaupt gar nichts in der Hand zu haben. Wozu kämpfen, wenn sowieso immer irgendetwas dazwischen kommt? Wenn du nur zuschauen kannst, wie andere das haben und bekommen, wofür du so kämpfst. Lohnt sich das alles überhaupt noch? Damit kann man sich locker, um den Schlaf bringen. Den nächsten Tag ist man müde, ausgelaugt und kraftlos. Also bestätigt sich wieder das Bild, dass man sowieso nichts auf die Reihe bekommt. Es ist fürchterlich. Und wenn man sich dann traut und sich jemandem anvertraut so offen und ehrlich wie man kann und es kommt direkt ein „Natürlich lohnt es sich!“, dann ist das wie ein tritt in den Magen. Also stelle ich mich nur an? Du siehst mich nur von außen und meinst, du kannst beurteilen, wie es ist? Und zack, überreagiert, wieder ein Mensch weniger. Entschuldigen hat keinen Sinn, denn derjenige wird mich wieder nicht verstehen, wird wieder nur über mich urteilen… als ob ich das nicht schon nicht zur Genüge machen würde….

Ich war auch schon mal so weit, da habe ich Schlaftabletten genommen. Ich war es leid, nachzudenken. Ich wollte nicht mir nicht mehr wieder und wieder die gleichen Fragen stellen. Ohne jemals eine Antwort zu bekommen. Damals ging es um einen Mann, der schon bei seinem Namen gelogen hat und plötzlich verschwunden war. Ghosting nennt man das wohl. Mir hat es alles schlechte bestätigt, was ich jemals über mich gedacht habe. Ich wollte mich einfach nur noch wegschießen. Aber zu welchem Preis? Nach guten zwei Wochen konnte ich gar nicht mehr schlafen. Also ohne Tabletten. Schritt für Schritt habe ich die Dosis halbiert bis es ganz ohne ging. Diese Abhängigkeit machte mir eine riesige Angst.

Kampf gegen die Schlaflosigkeit

Wenn ich als Kind nicht schlafen konnte, musste ich heiße Milch mit Honig trinken. Und ich hasse Milch! Außer im Milchkaffee und da schütte ich den letzten Rest weg. Auch Kakao und Milchshakes finde ich wirklich ekelig. Eigentlich ist Milch ja auch abartig – es sei denn, man ist zufällig Kalb. Das kann doch für uns nicht wirklich gesund sein! Und dann auch noch warm und mit so viel Honig, dass es im Hals kratzt. Ich habe es gehasst! Und so habe ich lieber unter der Bettdecke gespielt oder gelesen, als meinen Eltern zu sagen, dass ich nicht schlafen könne.

Ich kenne alle möglichen Tipps und Tricks. Dieses oder jenes zuletzt essen oder auf keinen Fall essen, nochmal aufstehen, mehr Sport, damit man ausgepowert ist…. als würde es den Kopf und die Seele interessieren, wenn der Körper müde ist….

Warum ist es plötzlich anders? Ich wusel abends rum, mache noch Rätsel, häkle, spiele mit den Katzen. Das könnte ich bis tief in die Nacht. Aber kaum ist das Licht aus, schlafe ich ratz-fatz ein. Das kenne ich so überhaupt nicht. Das soll auch nicht heißen, dass ich mir es wieder anders wünsche. Ich wundere mich nur. Und ich frage mich, ob es eine positive Entwicklung ist, oder ob mir etwas anderes so die Kraft raubt, dass ich einfach gar nicht kann, z.B. dieses Immer-zu-viel-auf-einmal-wollen.  Ich könnte immer mehr machen, mehr erledigen, mehr schaffen. Aber andererseits bin ich gerne faul. Ich mag es auf der Couch zu liegen mit einer der Katzen auf dem Bauch, da muss der Staubsauger dann warten. Trotzdem bin ich abends dann sauer, dass schon wieder nicht gesaugt wurde.

Meine Schlafstörungen sind auch nicht komplett weg. Letztens habe ich tatsächlich die ganze Nacht wach gelegen und auf den Morgen gewartet. Aber es ist bei weitem nicht mehr so extrem. Vielleicht sollte ich (endlich mal!) meinem Weg vertrauen.

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11 Kommentare zu „Insomnia und warme Milch mit Honig

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  1. Kakaochen mit Dinkel-Mandel Drink gekocht ( am besten noch mit dem Milchaufschäumer erhitzt ) und Marshmallows! Sich dem Genuss und guter Musik hingeben und jedesmal wenn störende Gedanken eintrudeln im Bett irgendein Unsinnswort denken….z.B. Radereradereradere…. 🙂

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  2. Bei persönlichen Erfahrungen fällt der Vergleich ja immer schwer und bei mir waren es Durch- statt Einschlafprobleme: Die verschwanden, als mein Sorgenberg kleiner wurde. Obwohl es sich bewusst gar nicht so für mich anfühlte oder genauer: Ich bin mir bis heute sicher, dass er genau so groß ist, aber ich sehe ihn anders. Ich lasse mich nicht von ihm beeindrucken. Von daher klingt es für mich plausibel, dass sich bei dir was verändert. Glückwunsch. 🙂

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    1. Ach, es geht doch gar nicht ums Vergleichen. Wenn du dich angesprochen fühlst oder ähnliche Probleme hast/hattest, dann immer raus damit. 🙂 Ich freue mich über sowas.
      Und ich kenne beides. Gerne auch in Kombination. Ich habe teilweise keine 4 Stunden geschlafen und die noch inchtmal an einem Stück. So oder so – Schlaf ist so wichtig! Ja, du hast Recht. Man geht anders damit um. Selbts als ich die Nacht letztens gar nicht geschlafen habe, hat es mich nicht verrückt gemacht, sondern ich habe es so hingenommen und das beste daraus gemacht. Danke schön 🙂

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  3. Schlaflosigkeit kenne ich phasenweise auch. Manchmal hilft es mir aufzustehen und etwas zu essen, um dann die Einschlafversuche nochmal vorn vorn zu beginnen. Leider ist mein Körper oft zu müde und ich schaffe es lange nicht, mich zum Aufstehen zu überreden. Aber bei mir klappt ist es zum Glück auch zur Zeit ganz gut mit dem Schlafen.
    Liebe Grüße

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