Bore-out und Omen

Ja, ich bin abergläubisch. Außer bei schwarzen Katzen, aber das liegt daran, dass ich Katzen so mag. Außerdem wäre es extrem unpraktisch, da meine Nachbarin gleich zwei von der Sorte hat und diese mir relativ häufig über den Weg laufen.

Aber ich würde niemals unter einer Leiter durchgehen, kaputte Spiegel bereiten mir Herzrasen und selbst Kettenbriefe lösche ich mit großen Sorgen. Ich habe verschiedene Steine und glaube an ihre Wirkung. (Auch wenn sich ein Stein, den ich heute morgen im Auto gefunden habe als Jelly Bean o.ä. entpuppt hat. Was mir sagt, dass ich es noch schaffen kann wenigstens ein einziges Mal in diesem Jahr mein Auto zu waschen und Auszusaugen, aber das ist ein Thema, dass ich gerne verdränge.)

Ich glaube an Zeichen und suche oft danach, bzw. fordere sie heraus. Wenn Vettel Weltmeister wird, dann wird alles gut. Er ist Weltmeister geworden. Es ist zwar noch nicht alles gut, aber wir sind auf dem Weg dahin. Also ich. Für mich zumindest. Oder wenn dieses oder jenes, dann flackert jetzt die Kerze und dann warte ich aufs Flackern. Ja, ich weiß, das ist bescheuert!

Heute morgen habe ich das Perlenarmband genommen, dass ich mir von meiner herzallerliebsten Lieblingsmeggi geliehen habe, weil ich dachte, dass ich ein wenig Glück gebrauchen kann, da mein Vorstellungsgespräch schon eine Woche her ist und ich bis jetzt noch kein grünes Licht bekommen habe. Beim Gespräch selbst habe ich es auch getragen. Nur den Müll wollte ich eben noch mit raus bringen. Und scheinbar ist Mülltüte, Schlüssel und Armband für mich keine gute Kombination. Das Armband ist gerissen. 😦 Die Perlen habe ich noch aufgesammelt (so habe ich auch den Stein/JellyBean im Auto gefunden) aber es ist hin. Ist das jetzt ein schlechtes Omen? Sind Perlen nicht sowieso eher schlecht als Glücksbringer? Es heißt doch, Perlen bedeuten Tränen. Oder gilt das nur auf Hochzeiten? Vielleicht auch nur für Emilia Galotti?  Jedenfalls hat mich das zerrissene Armband und die verstreuten Perlen heute morgen schon so aus der Bahn geworfen, dass ich mich auf dem Weg zur Arbeit gleich zwei Mal verfahren habe.

Ich wünsche mir sooooo sehr, dass ich eine Zusage bekomme. Ich habe hier zwar erst im Mai angefangen, aber ich bin nicht gerade glücklich. Bei meiner alltäglichen Recherche (um das rumgooglen und surfen ein wenig professioneller klingen zu lassen) habe ich genau die richtige Beschreibung für meinen derzeitigen Zustand gefunden. Bore-out!

Eine knappe Erklärung habe ich hier entnommen:

„Der Boreout ist das Gegenteil des Burnout. Er besteht aus den folgenden Elementen:
  • Unterforderung: Sie beschreibt das Gefühl, mehr leisten zu können, was von einem gefordert wird
  • Langeweile: Hier geht es um Lustlosigkeit und Ratlosigkeit, weil man nicht weiß, was man tun soll.
  • Desinteresse: Beim Desinteresse steht die fehlende Identifikation mit der Arbeit im Vordergrund.
Damit verknüpft sind langfristig angelegte Verhaltensstrategien, die der Arbeitnehmer anwendet, um bei der Arbeit ausgelastet zu wirken und sich Arbeit vom Leibe zu halten.
Eine Unterscheidung ist wichtig: Boreout ist nicht gleich Faulheit. Boreout Betroffene sind nicht faul, sondern faul gemacht. Wer faul ist, will nicht arbeiten, auch wenn man ihn lässt. Wer unterfordert ist, will arbeiten, aber das Unternehmen lässt ihn nicht.“
Genau das ist es. Ich will unbedingt was leisten, ich kann gar nicht anders als zu funktionieren und hier kann ich das nicht! Also tue ich beschäftigt, damit ich mich nicht outen muss, schon wieder nichts zu tun zu haben oder schlimmstenfalls zu zeigen, dass ich hier eigentlich überflüssigerweise sitze. Ich habe meinen Chef auch schon nach neuen Aufgaben gefragt, aber er möchte die Abteilung neu strukturieren und mir im Moment nichts anderes geben. Das ist so frustrierend und eigentlich fing es ja auch so schon an. Meine ersten zwei Wochen im Büro, war ich ganz alleine. Trotzdem komme ich nach Hause und bin total geschafft und ausgelaugt. Nur eben nicht im Sinne von „ich hab viel getan heute“,  sondern eher „es war so anstrengend, die Zeit herumzubekommen“
Meinen Kolleginnen im Büro ist es ja auch schon aufgefallen.  Ich finde es gut, dass sie es getan haben und es gut getan über meine Ängste und Sorgen zu spreche, denn diese Machtkämpfe in diesem Unternehmen jagen mit eine gehörige Angst ein. Aber es stresst mich auch und legt meine inneren Kämpfe offen. Ich fahre oft nach Hause und denke, „Du machst hier nur Quatsch! So geht das nicht!“ Und dann sitze ich am nächsten Tag wieder im Büro und frage mich, ob ich hier hin gehöre.
Emely gegenüber habe ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Das kommt auch noch hinzu, denn nur über sie bin ich überhaupt hier hin gekommen. Würde das alles auf sie zurückfallen? Wie steht sie dann da? Bereut sie es, mich vorgeschlagen zu haben?
Ich baue mir gerade unheimlichen Druck auf und bin emotional so  geladen, dass ich manchmal gar nicht weiß, wie ich es wieder abbauen kann. Sonst hatte ich oft Freunde, bei denen ich das ganz ungefiltert abgeladen habe. Aber ich habe sogar selbst das Gefühl, die anderen als Eimer für meinen Seelenmüll zu missbrauchen. Natürlich könnte ich meine Psychologin anrufen und mit ihr zusammen alles sortieren. Aber wir sind im Endspurt der Therapie, ich müsste das doch mittlerweile doch auch alleine unter Kontrolle kriegen. Es Häppchenweise rauszulassen, bringt auch nicht viel, denn dann heißt es wieder, ich würde mich nur melden um zu jammern. Warum muss das so kompliziert sein? Wie machen andere das denn? Oder sind die generell gelassener als ich? Viele bestimmt. Aber ich kann das ja auch nicht einfach abstellen. Da muss ich auf jeden Fall eine lebbare Strategie für mich finden!
Bitte drückt mir die Daumen, dass ich ganz bald einen Anruf erhalte, der mir sagt, dass „trienchen, schreib deine Kündigung und komm!“ auch mit gerissenem Armband und Perlentränen.
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11 Kommentare

      • Ich habe diesen Zweifel auch manchmal, glaube aber mittlerweile, dass diese Leute einfach besser in Auto-Suggestion sind. Ist ja auch ein Prozess, der sich selbst verstärkt: Wenn man sich sagt, dass man etwas hinbekommt und es klappt, bestätigt das die eigenen Vorahnungen und sorgt für ein positiveres Grundgefühl. Also … Ganz schematisch und platt zumindest. 🙂
        Und was die eigenen Möglichkeiten anbetrifft: Wie man es konkret macht, muss man selbst herausfinden. Ich halte es aber für legitim, den eigenen Zweifeln zumindest für eine kurze Weile fortzulaufen. Je nachdem, wie groß oder klein, lösen sie sich in Luft auf – oder die gewonnene Distanz erlaubt einen genaueren Blick. Wie man das erreicht, muss man aber selbst herausfinden. 🙂

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  1. Pingback: Projekt 52 (12) | colours & darkness

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