Dies ist keine Übung… diesmal ausführlicher

Dienstag bin ich wie immer zur Arbeit gefahren, hatte noch den Müll rausgebracht und saß im Büro. Am Abend vorher habe ich mit meinem zukünftigen Chef über das Angebot gesprochen, dass er mir machen kann und ich habe mir eine Nacht Bedenkzeit erbeten, obwohl mir da schon klar war, dass ich das Angebot annehmen werde, auch wenn das bedeutet, dass ich etwas weniger als jetzt verdienen werde.

Gegen Mittag habe ich ihn endlich erreicht und ich habe zugesagt. Ihm war die Erleichterung deutlich anzumerken. Ich bin glücklich wieder ins Büro und habe mit meinen Kolleginnen gesprochen und gescherzt. Dann klingelte mein Telefon und ich wusste beim Blick auf das Display direkt, dass ich die Nummer kenne. Es war mein Papa, der mir sagte, dass ich früher Feierabend machen soll, meine Wohnung würde brennen. Eine Katze wäre bei der Polizei, die andere wäre verschwunden. Ich bin direkt nach Hause gefahren, ohne wirklich zu begreifen, was da gerade vor sich geht. Schon als ich um die Ecke bog und meinen Vater sah, wusste ich, dass er Felix sucht.

Die Feuerwehr war bereits abgerückt, aber die Kripo war noch da, mit der ich in die Wohnung musste. Ich konnte es gar nicht glauben…. alles schwarz, alles verrußt, alles stinkt… Mein Esstisch praktisch explodiert und als solcher gar nicht mehr zu erkennen. Und immer wieder die Aussage „Wir haben überall geschaut, hier ist keine Katze mehr!“ Ich durfte mir dann noch ein paar Kleidungsstücke einpacken, dabei habe ich als erster nur nach Felix gesucht. Er saß ganz zusammengekauert unter dem Bett. Unglaublich, was er durchgestanden haben muss. Meine Eltern drückten mir eine Karte in die Hand und ich sollte die Versicherung anrufen, um die Versicherung anzurufen. Ich habe an diesem Nachmittag und Abend nur noch funktioniert. Meine Wohnung wurde versiegelt und beschlagnahmt und ich bin mit den Katzen zu meinen Eltern. Ich habe noch Freunde informiert, die sich wunderten, dass ich so gefasst und  ruhig bin. Der Schlag kam nachts. Was da alles hätte passieren können! Was mache ich mit den schwarzen Katzen? Was ist schlimmer – gebadet werden oder Ruß aufnehmen? Was ist passiert? Habe ich tatsächlich Kerzen angelassen? Habe ich das morgens nicht gesehen? Wie kann das sein? Wie kann ich so blöd sein?

Am nächsten Morgen kam ein Sachverständige der Kripo. Warum überhaupt Kripo hatte ich nicht verstanden. Der Kommissar klärte mich auf, dass ich als Beschuldigte angesehen werde. Dann das erste Mal wieder in der Wohnung. Ich hatte Tränen in den Augen und konnte es kaum ertragen. Ich sprach mit meinem Chef, der mir direkt anbot, so lange zu Hause zu bleiben, bis ich das wichtigste geregelt hätte und ich mich wieder bereit fühle. Das weckte sofort mein schlechtes Gewissen, da ich doch kündigen werde. Also habe ich auch nochmal mit Emely telefoniert.

Am nächsten Tag rief sie an, aber da ich die Nacht zuvor kaum geschlafen hatte, war ich einfach zu müde um ans Telefon zu gehen. Also schrieb sie mir eine Nachricht. Ich solle bis Abends verlässlich mitteilen, wann ich wieder da bin. Woher soll ich das wissen?! Ich weiß doch selbst nicht, wie es weiter geht. Als ich ihr entsprechend antwortete, und versprach mich nachmittags wieder zu melden, kam zurück, warum. Handwerker koordinieren könne ich doch auch vom Büro aus. Das war das erste Mal, dass ich am liebsten durchs Telefon gesprungen wäre. Aber gut… sie müssen ihren Urlaub umplanen, wenn ich länger ausfalle, also konnte ich das noch irgendwo nachvollziehen.

Die Sachverständigen, die gegen Mittag kamen, urteilten, dass meine Wohnung was den Hausrat betrifft, ein Totalschaden ist und alles, es sei denn, es wäre besonders wertvoll, entsorgt werden müsse. Wir packten die wichtigsten Unterlagen ein und schon da kamen die ersten Anrufe meiner Kollegen. Kaum war ich zu Hause rief ich zurück. Ja ja, ich komme arbeiten, um Himmels Willen. Bei allem Verständnis – ich verliere mein gesamtes Hab und Gut, und ihr macht Stress, weil ich euch um ein paar Tage Urlaub Sorgen macht. Meint ihr, ich hab nichts anderes zu tun?!?! Ich erzählte ebenfalls, dass ich kündigen werde. „Trienchen, sei ehrlich. Wenn du Montag kündigst und die dann einen Krankenschein nimmst, muss ich meinen Urlaub verschieben!“ Ach so. Kein Warum, kein Schade, wieder nur „mein Urlaub“. Ich sitze da seit fast acht Monaten. Sie sollten mich besser kennen! Das hat mir eindeutig gezeigt, dass ich das richtige mache! Ich bin einfach nicht so berechnend! Und damit ich mich nach der Kündigung krank melde, muss man schon richtig unfair zu mir gewesen sein. Das habe ich tatsächlich erst ein einziges Mal gemacht. Diese Aussage hat mich wirklich verletzt.

Dafür meldet sich mein neuer Chef und mein neuer Vertrag wird gerade erstellt. Ab dem 1.2. fange ich an. Und die paar Wochen bis dahin, schaffe ich jetzt auch noch.

Heute war ich wieder in der Wohnung. Die Firma, die die Schäden beseitigen wird, wollte ebenfalls den Schaden prüfen. Sie sagten, ich hätte unfassbares Glück gehabt. Einmal, dass den Katzen nichts passiert ist, dann dass ich überhaupt versichert bin und dann, dass das Gleiche nicht nachts passiert ist. Vermutlich hätte ich das Ganze dann nicht überlebt. Diese Aussage macht insbesondere meiner Mama zu schaffen, die mir später am Tag um den Hals fiel „ich bin so froh, dass du lebst!“

Das macht alles sehr beklommen und jetzt am Wochenende muss ich eine Liste erstellen, mit meinem gesamten Hausrat. Diese Liste ist Berechnungsgrundlage für die Sachleistung meiner Versicherung, also sollte sie möglichst gewissenhaft geführt werden. Die Renovierung meiner Wohnung dauert gute zwei Monate und dann brauche ich alles, aber wirklich alles neu. Und noch weiß ich nicht, ob ich genug Geld bekomme. Alles spricht dafür, dass ich tatsächlich Kerzen angelassen habe. Aber dann haben die die ganze Nacht durchgebrannt. Wie kann man das nicht merken? Ich mache mir solche Vorwürfe, so schlimm, dass ich das Gefühl habe die Hilfsangebote, die ich bekommen habe, gar nicht annehmen zu dürfen. Ich war heute schon Kleidung kaufen und brauche auch noch wenigstens ein anderen Paar Schuhe.

Ab Januar kann ich in ein möbliertes Appartement ziehen, bis die Wohnung fertig ist. Denn hier bei meinen Eltern ist es nicht so einfach wegen der Katzen. Und auch weil ich ja nicht ohne Grund weggezogen bin.

Mir steht also noch einiges bevor und ich wundere mich selbst darüber, wie ruhig ich damit umgehe. (Bis auf einige Aussetzer)

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10 Kommentare zu „Dies ist keine Übung… diesmal ausführlicher

Gib deinen ab

  1. Ich finde es schwierig, meinen Kommentar zu formulieren, will Dir keine reinen Mitleidsfloskeln schreiben. Für die kommende sehr schwierige Zeit wünsche ich Dir viel viel Kraft und Unterstützung, durch Familie und Freunde, vielleicht auch Nachbarn und … Kollegen?
    Welch ein Glück, dass kein Tier und kein Mensch zu Schaden gekommen ist, aber manchmal hängt man sein Herz auch an Dinge, die sich nicht ersetzen lassen. Dein Bericht lässt mich auch wieder demütig dankbar für mein Glück sein, ein warmes Zuhause zu haben.
    Alles herzensgute für Dich!

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  2. Puh, heftig. Ich hab selbst einen Brand miterlebt, nicht bei uns, in der Nachbarwohnung, das war schlimm. Und meine erste Sorge damals galt auch meinem Kater. Du klingst, als hättest Du ohnehin viel um die Ohren gehabt. Da kann sowas, wie Kerzen vergessen passieren. Schlimm, vor allem weil man „Schuld“ ist (als ob man das mit Absicht macht), doch so gesehen Glück im Unglück. Du lebst, Deine Katzen auch und offenbar hat irgendwer schnell geschaltet, sonst wäre da nichts mehr zum raus holen. Ganz viel Kraft.

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  3. Denk dir bitte die üblichen guten Wünsche … Was ich dir auf den Weg mitgeben will: Nimm jede Hilfe an, die du bekommen kannst. Auf die hast du Anspruch. Weil du ein Mitmensch bist. Gestraft genug bist du schon, schlimmer machen musst du es nicht.

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