Projekt 52 (17)

Jede Woche poste ich etwas Selfie-mäßiges. Darauf gekommen bin ich durch Zeilenende.

Auch  Gertrud TrenkelbachMarinscheMulticolorinasolera1847, Wili und 365tageimleben.machen mit – zum Großteil auch viel länger als ich.

Alle bisherigen Beiträge dazu findet ihr hier.

Gestern war ich auf einem Yogaworkshop. Meinen Platz hatte ich schon meinen Yogahasen angeboten, weil ich gedacht habe, dass ich das körperlich auf keinen Fall durchhalte. Aber da ich am Mittwoch gemerkt habe, wie gut mir Yoga im Moment tut, bin ich doch selbst hingegangen. Das ist ein Punkt, den ich so an meinen Yogahasen liebe, sie verstehen sowas einfach.

Und es war einfach super. Direkt am Anfang haben wir eine Partnerübung gemacht. Wir mussten uns direkt gegenüber setzen, uns bei den Händen halten und ins rechte Auge des Gegenübers schauen. (Ins rechte, weil das mit der linken Gehirnhälfte verbunden ist) Ich hab gemerkt, wie mein Körper vor Anspannung anfing zu zucken. Denn ich vermeide direkten Augenkontakt, es sei denn, ich konzentriere mich bewusst darauf. Mir ist klar, dass es furchtbar unhöflich ist, dem Gesprächspartner bei einem Gespräch nicht in die Augen schauen, und dass dieses Wegschauen oft sogar als Unehrlichkeit, aber auf jeden Fall als Unhöflich und negativ angesehen wird. Aber ich denke bei mir liegt es daran, dass ich damit vermeide, dass andere mir in die Augen sehen. Augen sind der Spiegel der Seele und ganz oft will ich ja überhaupt nicht, dass jeder weiß, was in mir vorgeht. Aber in Gesprächen erschrecke ich mich immer wieder, wenn mir auffällt, dass ich schon wieder ganz woanders hinschaue. Vor allem, wenn ich selbst etwas erzähle. Am allerschlimmsten war es in meinem ersten Vorstellungsgespräch. Da wurde ich sogar gefragt, was ich denn interessantes an der Wand entdeckt hatte. Den Ausbildungsplatz habe ich aber trotzdem bekommen, also ist es vielleicht gar nicht so dramatisch. (?!) Dann wurde gesagt, dass unser erstes Mantra „Ich sehe dich!“ sein soll. Das habe ich immer wieder in Gedanken wiederholt, und mir vorgestellt, dieses Ich sehe dich direkt in die andere Seele zu schicken. Ich kenne das Gefühl einfach mal gesehen werden zu wollen so gut…. Und das habe ich gemacht, obwohl meine Übungspartnerin sich nicht mehr an mich erinnert hat, obwohl wir uns auf einem Yogawochenende schon kennengelernt hatte. Aber so ist es immer – ich werde eben übersehen. Vielleicht war mein „Ich sehe dich!“ deswegen auch besonders intensiv. Und nach einem kurzen Moment hatte sie Tränen in den Augen. Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist, ich habe auch gar nicht mehr daran gedacht, was sie jetzt von mir sehen könnte und was meine Augen verraten, ich wollte dieser verletzten Seele einfach nur Trost und Kraft geben. Das zweite Mantra war sowas wie „Ich halte dich!“ Aber da war ich schon total im Gebemodus, dass ich das gar nicht mehr genau weiß. Als drittes kam „Ich liebe Dich!“ und natürlich ist es seltsam, das an einen Menschen zu richten, den man überhaupt nicht kennt. Aber Jang-Ho Kim, der Workshopleiter hat recht. Liebe  ist doch angeblich bedingungslos. Also warum knüpfen wir es doch immer wieder an Bedingungen? Und „Ich liebe dich“ an Partner, an Familie, an Freunde zu richten ist doch einfach und keine große Kunst, aber an einen Fremden… Und auf einmal war auch das ganz leicht. Zum Abschluss der Übung haben wir uns noch umarmt, und wir wollten uns gar nicht mehr loslassen. Und jetzt fühle ich mich mit einer Person, von der ich nur ganz wenig weiß, unheimlich verbunden. Das ist ein sehr seltsames, aber ein wundervolles Gefühl. Und irgendwas habe ich in einer anderen Person ausgelöst, dass sie es scheinbar genauso empfunden hat. Wow… allein deswegen hatte es sich schon gelohnt.

Natürlich kam dann aber auch tatsächlich noch Yoga. Da habe ich natürlich wieder gemerkt, wie sehr meine Kraft nachgelassen hat, aber auch meine Flexibilität, und dass eben immer Speck im Weg ist, der z.B. vor einem halben Jahr einfach noch nicht da war. Und ich bin mir sicher, dass ein Muskelkater im Anmarsch ist. Obwohl die zwei Kursleiter schon einen super Ausgleich angeleitet haben. Aber ich freue mich, dass meine Muskeln wieder Arbeit bekommen und ich freue mich, meine Stärke wieder zu erlangen. Und ich kann immer noch das ganze Rad (=Brücke). Das konnte ich überhaupt nicht, als ich mit Yoga angefangen habe und hab es mir hart erarbeitet. Jetzt geht es immer noch und ich kann an anderen Sachen arbeiten! Darauf freue ich mich so, dass ich heute vielleicht nochmal zum Yoga gehe. Mal sehen.

Beim Foto habe ich übrigens bewusst das Verschwommenste genommen – auch wenn Jang-Ho gar nicht drauf ist. Ich habe mich selbst erschrocken, was das hohe Gewicht ausmacht. Andererseits ist es natürlich bescheuert, so viel zuzunehmen und zu denken, man sieht nichts…. Was aber schön ist, dass wir uns kaputt gelacht haben und dieses Bild es so schön eingefangen hat. Und letztendlich ist das auch das Wichtigste! Was zählt ist der Mensch und die Liebe, die er oder sie zu geben hat.

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34 Kommentare

  1. Japp, du siehst sehr entspannt auf aus dem Bild. Was den Augenkontakt angeht: Ich habe mal durch die Blume gesagt bekommen, eine Stelle vor allen Dingen nicht bekommen zu haben, weil ich mich nicht um Blickkontakt bemüht habe. Seitdem gehe ich damit offensiver um, dass ich Menschen ungern angucke. Bzw. ermahne mich in neuen Situationen selbst, das zu tun.
    Bei mir gilt übrigens: Es ist weniger eine Frage des „Was kommt aus mir raus?“ sondern „Was kommt da in mich rein?“ … Ich finde Blicke unheimlich. 😉

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  8. Sehr spannender Text – die Übungen und das Mantra, das du beschreibst, haben mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich habe auch so meine Probleme mit dem in die Augen schauen, auch gerade, wenn ich etwas selbst erzähle. Es wird sicher auch viel mit meinem Problem mit Nähe zu tun haben. Aber ich sehe, es ist etwas, das man gewissermaßen üben kann. Tolle Anregung! 🙂

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