Der Countdown läuft

…also Arbeitsstellenmäßig. Denn nur noch der Rest von heute und nächste Woche und dann schließt sich dieses Kapitel.

Von meinem Chef habe ich mich bereits verabschiedet, denn er hat Urlaub und wenn er wieder da ist, genieße ich meine zwei Tage Resturlaub, bevor ich am 1.2. neu- bzw. wieder starte.

Mein Noch-Chef sagte, dass die Türen immer offen stehen, bei mir sei vieles blöd gelaufen, aber es sei wichtig, dass man mit einem guten Gefühl zur Arbeit geht und wenn ich das hier nicht habe, dann habe ich alles richtig gemacht.

Ob meine Kolleginnen das ähnlich sehen, weiß ich nicht, denn als mein Chef darauf ansprach und ich eine Kollegin ansah, blickte sie nicht mal von ihrem Bildschirm auf. Wenn ich daran denke, wie es bei meiner letzten Kündigung war. Da haben wir immer wieder betont, dass wir uns definitiv wieder sehen und wie ungerne sie mich gehen lassen. Dass das mit dem Wiedersehen so kommt, hätte ich mir damals noch nicht träumen lassen.

Der Flurfunk scheint aber nach wie vor zu informieren und so wurde ich gestern schon von Bald-Wieder-Kollegen über Facebook gefragt, ob ich tatsächlich zurückkommen werde. So ein bisschen Angst vor blöden Reaktionen und Kommentaren habe ich ja schon… aber ich freue mich trotzdem unheimlich!

Am Mittwoch fand ein großes Strategiemeeting statt, bei dem ich schon gar nicht  mehr dabei war. Die Strategie der Zukunft geht mich schließlich nichts mehr an, da ich diese Zukunft im Unternehmen nicht miterleben werde. Stattdessen habe ich den Telefondienst für alle übernommen.

ES ist schon länger geplant, den Bereich umzustrukturieren. Jetzt gibt es wieder eine neue Idee und wenn diese tatsächlich umgesetzt wird, dann wäre meine Kollegin Hanna meine Chefin geworden – vermutlich. Ich hatte die Nachricht „Gott sei Dank habe ich gekündigt. Hanna wäre meine Chefin!“ schon fertig geschrieben, aber bevor ich auf Senden gehen konnte, kam der Gedanke, ob es denn wirklich so schlimm gewesen wäre. Und ich muss ehrlich sagen – ich glaube nicht! Es hätte für klare Verhältnisse gesorgt, hätte meine Rolle besser einsortiert. Im Grunde habe ich mich ja sowieso untergeordnet, aber das hätte dem Ganzen mehr Struktur gegeben. Und ich hätte ein Team gehabt! Ich wäre nicht mehr so im luftleeren Raum mit dem Gefühl nirgendwo richtig dazuzugehören. Und ich vermute, dass es für mich auch klarere Aufgaben gegeben hätte, weil klar gewesen wäre, dass sie dafür zuständig ist. Vermutlich hätten wir uns gegenseitig wahnsinnig gemacht, weil sie so supergenau und ich eher Chaostriene bin, aber es hätte bestimmt vieles vereinfacht.

Überhaupt ist mir in diesen Tagen bewusst geworden, wie viel ich selbst auch dazu beigetragen habe, dass es hier eben nicht so läuft, wie ich es mir gewünscht hätte. Moment, das kann nicht sein. Denn wenn ich es mir wirklich gewünscht hätte, dann hätte ich mich doch anders verhalten. Aber ich habe selbst auch keinen Kontakt zu den anderen gesucht. Ich habe mich bewusst aus Gesprächen rausgehalten, mich gebremst… Ich habe mich bewusst entschieden still und leise vor mich hinzuarbeiten, anstatt immer wieder zu fragen, zu nerven und Aufgaben, Hilfe oder klare Anweisungen einzufordern. Das hätte tatsächlich alles ganz anders laufen können, wenn ich mich selbst auch mehr eingebracht hätte. Und jetzt nehme ich den einfachen weg und gehe zurück. Und gerade bin ich mir selbst nicht sicher, ob es tatsächlich der einfache Weg ist, oder der schwierigere, weil ich damit klar zeige: „Ja, ich habe damals zu schnell entschieden.“ (Um das Wort falsch zu vermeiden, denn ich glaube nicht, dass es wirklich falsch war.) Ich wollte ein Kapitel schließen und habe gar nicht gemerkt, dass ich diejenige war, die es offen gehalten hat. Denn außer dem Unternehmen und der Bezahlung war doch schon fast alles anders. Die Angst, dass ich wieder schnell gehe, besteht bei meinen alten Kollegen und neuem Chef und ich kann sie ihnen nicht wirklich nehmen. Denn auch ich weiß nicht, was passieren wird und was die Zukunft bringt. Was ich aber versichern kann ist, dass ich so wichtige Entscheidungen nicht nochmal so übers Knie brechen werde und dass ich meine Bewertungen und Motive nochmal kritischer hinterfragen werde. Denn auch wenn diese Zeit lehrreich war, war sie ebenso anstrengend und mit vielen Tränen verbunden.

 

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5 Kommentare zu „Der Countdown läuft

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  1. Manchmal sind Lebenswege eben so. Manchmal muss man auch einfach schnell entscheiden, vielleicht, weil das eigene Wohlbefinden dran hängt, das eigene Seelenheil. Oder weil es einen einfach fort reisst, weil einen gerade jetzt dort nichts hält. Manchmal braucht es einfach diese Erfahrung, weil sie einen reifen lässt. Egal wie, nicht groß dran rum denken.
    Es gibt bei mir auch den ein oder anderen Arbeitgeber, zu dem ich sofort zurück ginge, wenn es was passendes gäbe.

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