„….du musst nur mal aus dir rauskommen….“

Warum denn eigentlich?

So im Großen und Ganzen bin ich ja gerne in mir. Also so phasenweise zumindest.

Was genau soll das überhaupt heißen? Und wo ist man, wenn man aus sich raus gekommen ist?

Wenn man zu dem Thema Mr.Google bemüht, bekommt man lauter Tipps, wie man seine Schüchternheit überwindet. Ich bin aber nicht schüchtern, sondern introvertiert und das ist ein riesiger Unterschied. Um es einfach auszudrücken: Ich habe keine Angst vor anderen Leuten, ich habe nur einfach keine Lust auf sie.

Natürlich habe ich auch mal meine lauten und albernen fünf Minuten. Aber noch lieber bin ich leise, höre zu, beobachte und bin „der ruhige Pol“.

Was soll daran falsch sein? Und warum muss ich daran was ändern?

Vor allem: Ich wollte selbst viele Jahre jemand anderes sein, jemand Fröhliches, Lebhaftes, Aufgeschlossenes, der sofort mit jedem ins Gespräch kommt, einen Raum zu Strahlen bringt und an den sich nachher alle erinnern.

So bin ich aber nicht und damit kann ich mittlerweile und endlich gut leben. Im Gegenteil, ich frage mich, ob ich nicht einfach zu tiefgründig, zu reflektiert bin, um so jemand zu sein. Denn darauf will ich keinesfalls verzichten.

Und schon soll ich wieder anders sein?

Mh…

Nein, ich glaube nicht. Danke

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35 Kommentare

  1. Du musst nicht aus Dir herauskommen! „Müssen“ schon garnicht (zu dem Thema habe ich gerade bei „elefantenblau“ schon einiges geschrieben.) Es ist vollkommen in Ordnung, zurückhaltend zu sein. Hör lieber auf Dein Bauchgefühl, das sagt Dir, was Du brauchst. 🙂
    Umso mehr Du Dich selbst und Deine Bedürfnisse akzeptierst, umso irrelevanter werden solche Fragen (und tolle Tipps^^) anderer. Da bin ich mir sicher 🙂

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  2. Oh das kann ich so gut verstehen! Ich bin auch nicht schüchtern. Ich kann auf Leute zugehen wenn es nötig ist. Aber ich bin auch ganz gerne alleine oder einfach in Ruhe irgendwo, mit ganz wenigen Leuten. Alles über zwei Leute wird mir schon zu unübersichtlich und stressig.
    Ich finde diesen Spruch, aus sich raus zu gehen, schon mal total falsch. Wenn man nicht mehr „in sich“, in seinem Körper ist, geerdet und fest, dann ist man auch nicht wirklich hm… da?
    Ich weiß zwar, dass eine gewisse Lebensfreude und Offenheit gemeint ist aber die kann man doch auch ganz gut haben ohne aus sich raus zu gehen oder? 😀 😀 😀

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  3. Hihi, den Satz kenne ich auch: Du musst nur mal mehr aus dir heraus gehen. Also mehr! Ja, und wenn ich schon dabei bin, dann muss ich auch mehr aus mir machen! Und mehr unter Leute gehen. Allerdings sagen solche Sätze meistens Leute, die mich gar nicht richtig kennen und die glauben, ich sei einsam, schüchtern und verzweifelt 😉 Ich finde auf solche Sätze kann man getrost pfeifen! 😉

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  4. Die Gefahr ist, dass in „Im Gegenteil, ich frage mich, ob ich nicht einfach zu tiefgründig, zu reflektiert bin, um so jemand zu sein.“ ein gewisser Snobismus steckt. Extrovertierte Menschen können sehr tiefgründig sein. Ich habe das ganz wunderbare Vergnügen, mit einem solchen Menschen zusammen zu wohnen (auch wenn ich anfangs manchmal dachte: Au Backe, ein wenig oberflächlich bist du ja schon).
    Ansonsten hast du vollkommen recht, auch wenn ich als eher introvertierter Mensch das Gefühl, dass all die Grübeleien mal mein Bewusstsein verlassen, sich ganz mit sich selbst und nicht mit mir beschäftigen, sehr angenehm finde. Dann bin ich raus aus mir. Und sehr viel entspannter. 😉

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  5. Nichts ist daran falsch, introvertiert zu sein.
    Und auch introvertiert kann man fröhlich, lebhaft, aufgeschlossen und anderes sein. Die Ausdrucksform ist nur anders.
    Ohne die introvertierten Menschen hätten es die extrovertierten ziemlich schwer.

    Es gibt keinen Grund, dich zu ändern. Zumal ich stark anzweifle, dass aus einem introvertierten Mensch ein wirklich extrovertierter wird. Ich kenne zwar introvertierte Menschen, die an verschiedenen Aspekten gearbeitet und mit viel Überwindung, Schweiß und Tränen ein paar extrovertierte Züge integriert haben, unterm Strich sind es aber immer noch introvertierte Menschen. Und das ist doch total in Ordnung.

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  6. Fröhlich und ausgeglichen zu sein, sind schöne Momente, die doch wenig mit Intro- oder extrovertiert zu tun haben müssen. Ernsthaftigkeit und Albernheit schließen sich nicht gegenseitig aus. Sie gleichen sich aus. Aus einem rauskommen dürfen“ sollten die unterdrückten Aggressionen und die Wut, die Nährstoffe einer jeden Depression darstellen und es uns einfach oft schwer machen, ausgelassen (mit)lachen zu können.

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  7. „Du musst nur mal aus dir raus kommen….“, wie oft mir das schon Leute gesagt haben… ich kann das schon nicht mehr hören. ^^‘ Einmal meinte auch jemand zu mir: „Du musst man in den Wald gehen und ordentlich schreien!“ Und dann? 😀 Manchmal ist man auch einfach gut so wie man ist, es ist okay so zu sein wie man eben ist. Ich weiß, was die Leute einem damit sagen wollen, aber dass man selbstbewusster werden soll und alles, aber es ist eigentlich auch schön, wenn man als der Mensch genommen und gesehen wird, der man eben ist. 🙂

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  8. Ich finde dich, so weit ich das aus dem Lesen deines Blogs beurteilen kann, genau richtig so wie du bist! Damit will ich nicht sagen „ändere dich auf keinen Fall“, sondern eher „mach das was dir gut tut und nicht das, wovon andere denken dass es dir gut tut“. Und wenn du selbst der Meinung bist, an dieser und jener Stelle deines Wesens etwas ändern zu wollen, dann tu das. Und wenn nicht – dann eben nicht 😉

    Ich selbst bin total schräg und pendle permanent zwischen extro- und introvertiert und kann Leute sowohl anzicken als auch anlächeln als auch komplett ignorieren, und das ist dann eben so. Meine Leute mögen mich so wie ich bin, und das macht mich sehr glücklich 🙂

    Ich wünsche dir auch, dass du glücklich bist so wie du bist!

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    • Ganz vielen lieben Dank, Liebes.
      Das ist ein schöner Gedanke, denn den Wunsch „Bleib wie du bist“ finde ich auch immer ein bisschen gruselig. Wichtig ist allein, dass man sich selbst gut mit sich fühlt.
      Und wenn du total schräg bist, und dich damit gut fühlt, dann ist das toll. Die Schrägen sind mir oft die Liesbsten 😉
      Es hängt ja auch sehr viel davon ab, dass man einfach die richtigen Leute findet. Meine Therapeutin nennt das immer, der Schwan unter den Schwänen.
      Und natürlich wünsche ich dir das Gleiche.

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      • Der Schwan unter den Schwänen, sehr schön 😉 Ich glaube ich bin das gestörte Huhn unter den Papageien, aber die Papageien (Familie und Freunde) haben mich sehr ins Herz geschlossen und würden mich auch mögen, wenn ich ein Pferdeapfel wäre.

        Mein Therapeut sagt immer „Machen Sie etwas Schönes“, und momentan ist das Sport (bis zur Verausgabung) und Sex (mit wechselnden Partnern). Nun ja, vermutlich besser als Alkohol und Alpträume (das war vorher, wobei die Alpträume immer noch nicht ganz weg sind). Ich bin gespannt was als nächstes kommt 😉

        Und dir wünsche ich, dass du so oft wie möglich Dinge machen kannst, die du schön findest. Es gibt ja Verpflichtungen (wie die Arbeit), die gegebenenfalls nicht immer lustig sind, aber alles andere sollte so schön laufen wie man selbst es gerne hätte. Ich hoffe dass dir das so oft wie möglich gelingt! Ich gehe jetzt laufen 🙂

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        • Ach komm, Huhn ist schon besser als Pferdeäpfel. 😀
          Aber Machen Sie etwas Schönes, finde ich gut. Pass nur gut auf dich auf!
          Für mich ist im Moment das Schönste in meiner Wohnung zu sitzen, mit den Katzen um mich herum und einfach nur meinen Gedanken nachhängen und die Stille genießen. Total langweilig eigentlich, und sorgt bei mir regelmäßig für ein schlechtes Gewissen, aber es it so.
          Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag.

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          • Das ist tatsächlich sehr schön und sollte viel öfter auf dem Programm stehen: Ruhe, und das Genießen derselben. Da darf man auch kein schlechtes Gewissen haben! Ich habe allerdings keine Haustiere, die würden unter mir vermutlich noch mehr leiden als ich selbst es schon tue 😉

            Mein Wochenende läuft bisher ganz gut, nur das „abwechslungsreiche“ Wetter geht mir auf die Nerven. Ist aber passend zu meinen Stimmungsschwankungen, insofern sage ich mir, dass das Wetter gut zu mir passt 😉

            Mach jeden Tag was Schönes! 🙂

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  9. Weil mich das Thema besonders betrifft, möchte ich noch einige Worte nachreichen.
    Ich werde im Allgemeinen für einen besonders extrovertierten Menschen gehalten. Das ist schon sehr lange so. Meine eigentlich viel stärker ausgeprägte introvertierte Seite kennen nur wenige Menschen. Manche, die sie kennen lernen durften, waren vollkommen irritiert. Sie hatten sich von mehr Nähe zu mir, etwas ganz anderes versprochen. Grenzenlosen Spaß, Partie und endlose anregende Gespräche. Das konnte ich nicht ansatzweise bieten und es gab hier und da ein wenig Enttäuschung. Ich habe schon immer ein sehr hohes Maß an Bedürfnis nach Stille und Allein sein. Auch in Gesellschaft brauche ich es dann, mich zurückhalten zu können. Fällt mir manchmal trotzdem nicht leicht, der nach außen gekehrte Gegenspieler kann ganz schön offensiv und vehement die Befriedigung seiner Bedürfnisse einfordern. Da geht das Problem los.
    Er spielt nämlich mit in dem Punkt in einer Mannschaft mit vielen anderen Menschen, die mich dann kitzeln und herausfordern wollen „aus mir heraus zu kommen“. Allzu oft habe ich dem nachgegeben. Leichtsinnig oft, dem Druck anderer nachgebend ebenfalls und typischerweise auf dem Gefühl heraus, anderen gerecht werden zu müssen. Einem Bild von mir entsprechen zu müssen. Eine Rolle zu erfüllen oder mithalten zu müssen.
    Das war oft dennoch inspirierend, spaßig, adrenalinfördernd, was auch immer. Gern ist das auf Bühnen geendet, in welcher Form auch immer. Auf denen fühle ich mich manchmal wohler, als an jedem anderen Ort. Aber in vielen Situationen sind sie pures Gift für mich. Ich zahle es dann im Nachhinein doppelt und dreifach zurück, in harter Währung: mentaler Gesundheit. Ich brauche endlos viel Erholung danach, vergehe mich in selbstzerstörerischen Gedanken und Zweifeln. Das ging schon bis zum völligen Nervenzusammenbruch und tiefster Depression. Zwänge haben sich verstärkt oder neu entwickelt, usw. (es gibt und gab natürlich auch noch andere Gründe dafür.)
    In vielen dieser Fälle war ich selbst der Übeltäter. Ich habe nicht auf mich aufgepasst. Einflüsse von außen kamen dazu. In Form der Menschen, die meinen alles aus einem herauskitzeln zu müssen. Die meinen es meistens nicht böse. Oft im Gegenteil, oder sie sind gedankenlos dabei. Wie auch immer, mein eigenes Verhalten bestimme ich. Und da muss ich zugeben, mich allzu oft unklug verhalten zu haben. Ich habe nicht auf meine innere Stimme gehört, war nicht achtsam und habe die Balance verloren. Mehr als das, ich bin abgestürzt und hart aufgeschlagen.
    Aus diesen Erfahrungen heraus ist es mir wichtig, allen die es betrifft, etwas mit auf den Weg zu geben. Lasst euch nicht vormachen, dass ihr falsch seid, wie ihr eben seid. Erfüllt nicht die Vorstellungen, die andere vom Leben haben. Haltet euch an eure eigenen Bedürfnisse und Erwartungen, sich selbst gerecht zu werden ist schon anspruchsvoll genug.
    Das heißt nicht, das man niemals etwas auf den Rat anderer geben sollte. Im Gegenteil! Wer schafft schon alles allein? Aber die Entscheidungen trefft ihr selber und wenn euch jemand mit Nachdruck festgelegte Verhaltensvorgaben oder was in der Art aufdrücken will, dann ist das ein sehr schlechter Ratgeber.
    Zu guter Letzt zum Thema Intraversion und Extraversion: Die meisten bewegen sich in irgendwelchen Grauzonen dazwischen. Mischformen, wenn man so will. Es gibt Tagesform. Phasen. Entwicklung (die kann man durchlaufen, ohne sich selbst zu verleugnen oder mit dem Brecheisen etwas zu erzwingen),…
    „Aus sich herausgehen“…. wenn ich so einen Unsinn schon höre. Seid lieber ganz bei euch und ruht in euch selbst. So entwickelt sich Selbstvertrauen und Selbstachtung. Dann fällt es auch leichter, mal einen Schritt nach vorne zu machen und selbstbewusst Flagge zu zeigen, für sich selbst einzustehen. (Was nicht heißt, dass ich euch das nicht jetzt schon zutraue, es geht um grundsätzliches).
    Wenn auch etwas spät, war mir dieser Beitrag zum Thema wichtig, es ist kein leichtes, mit einfachen Lösungen. Ich wünsche jedem, da seinen Weg zu finden.
    Liebe Grüße,
    Jo 🙂

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  10. Ich bin soeben zum ersten Mal hier auf Deiner Seite zu Besuch. Mein erster Eindruck: Interessant, Spannend, Vielfältig. – Du hast etwas zu sagen, zu erzählen und tust das auf ebenso sympathische wie anregende Weise.
    Ich habe noch nicht so viel wirklich gründlich lesen können, aber das werde ich wohl nach und nach tun. – Auch weil ich glaube, Dinge und Themen entdeckt zu haben, die uns beide irgendwie ansprechen, herausfordern, inspirieren.
    So wie das Thema, mit dem Du Dich in diesem Blogeintrag hier beschäftigt hast. – Eben zu genau diesem Thema habe ich im Januar ein etwas ausführlicheres und schon recht persönliches Selbstgespräch mit mir gehabt und aufgeschrieben. Statt einer Kommentierung Deiner Gedanken, die mir übrigens sehr gefallen haben, erlaube ich mir, Dir einen Link zu meiner Eintragung hier zu lassen. Vielliecht magst Du ja ein bisschen davon lesen …
    Hier ist er:
    https://gedankenorbit.wordpress.com/2017/01/02/tagebuchseite-619/
    Es waren sehr genussvolle Minuten, die ich jetzt hier verbracht habe. Nun aber ist es schon ein bisschen spät. Ich denke aber, dass ich wiederkommen werde.
    Viele freundliche und liebe Grüße an Dich!

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  11. Ich teile deine Meinung, dass Introversion völlig okay ist! Leider lässt uns die Gesellschaft oft glauben, dass nur extrovertierte Menschen erfolgreich und glücklich durch´s Leben kommen. Schon in der Schule werten es Lehrer als schlecht, wenn man sich wenig am Unterricht beteiligt – dabei sagt das nichts darüber aus, wie gut man den Stoff verstanden hat.
    Außerdem werden „Intros“ zu Unrecht oft als unsozial, verklemmt oder gar arrogant angesehen. Dabei bedeutet Introversion in erster Linie, dass man die Energie aus sich selbst bezieht, wie ein Akku. Extrovertierte handeln dagegen wie Windräder, sie beziehen ihre Energie aus der Kommunikation mit Menschen. Der Unterschied ist von Geburt an im Hirn festgelegt, auch wenn Intros natürlich auch mal extrovertiert handeln können und umgekehrt. Ich empfehle dir das Buch „Leise Menschen – starke Wirkung“ von Sylvia Löhken, da sind alle Stärken und Hürden von Intros super beschrieben und es gibt hilfreiche Alltagstipps. Vielleicht wär das ja was für dich 🙂
    Viele Grüße und noch einen schönen Montagabend!

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