Projekt 52 (33)

Jede Woche poste ich etwas Selfie-mäßiges. Darauf gekommen bin ich durch Zeilenende.

Auch GertrudTrenkelbachMarinscheMulticolorinasolera1847Wili und 365tageimleben machen mit – und sind zum Großteil schon durch mit ihren 52 Wochen.

Alle bisherigen Beiträge dazu findet ihr hier.

Das Foto habe ich heute Nacht noch gemacht, als ich nach Hause gekommen bin. Denn auf den Fotos des Abends bin ich nie alleine. Die Hochzeit war toll. Obwohl sich die Gäste untereinander nicht so gut kannten bzw. nur gruppenweise, war die Stimmung sehr offen, herzlich und witzig. Ich habe eine Frau bewundert, die silberne Schuhe getragen hat. Das hat sie bemerkt und mir erzählt, dass sie 38 Paar Chucks besitzt – in Worten: achtunddreißig! Darunter durchsichtige und selbst designte. Ich war mehr als begeistert. Auch die Location war total süß und die Braut sagte vorher schon, dass eine der Kellnerinnen, meine Schwester sein könnte. Ich wusste sofort wen sie meint. Wir wurden auch bestens mit Lillet Wild Berry versorgt, so dass mein Köpfchen gerade noch ein wenig dröhnt. Aber ich habe auch gemerkt, wie sehr mir das Tanzen gefehlt hat. Ich war ja ewig nicht mehr feiern, weil ich mich in meinem Körper gerade nicht so wohl fühle, weil ich lieber pünktlich schlafen gehe und genau solche matschigen Sonntage mit schwerem Kopf nicht mag.

Aber nach Hause zu kommen und in fertiges Wohnzimmer zu blicken, hat mich auch mitten in der Nacht gefreut.

Ansonsten ist dies irgendwie eine Herzenswoche gewesen. Ich habe mit einer Yogahäsin geschrieben, die mir zwar grundsätzlich sympathisch ist, aber irgendwie auch immer ein bisschen komisch vorkam. Ich kann es nicht beschreiben, was genau es war, aber mein Gefühl hat mir immer gesagt, dass das eine Freu ist, die schwere Kämpfe hinter sich hat. Und aus einem einfachen Geschreibsel über die Schließung des Studios ist eine große Offenbarung geworden. Ich habe von meiner Depression erzählt und sie von ihrer Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit. Ich musste zwischendurch immer weinen, weil mich das ganz schön mitgenommen hat.
Und vor allem, hat es mir gezeigt, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat. Wir sind manchmal so schnell damit, andere in Schubladen zu stecken und rein psychologisch und evolutionär macht das natürlich auch Sinn, aber damit tun wir anderen auch unrecht.

Gestern auf der Hochzeit war eine Frau, die ganz für sich getanzt hat. Sie trug einen gemusterten Rock, eine zu enge weiße Bluse, darüber einen Poncho, der zum Rock passte und eine gestreifte Strumpfhose, die überhaupt nicht zum Rest passte. Und sie tanzte eher ungewöhnlich, schon fast meditativ. Ich weiß genau, dass ich mich vor ein paar Jahren (auch mit den passenden Freunden) mich darüber lustig gemacht hätte. Vielleicht hätte sogar jemand ein Foto gemach, um später nochmal zu lachen. Aber jetzt habe ich sie gesehen und habe sie bewundert. Denn sie macht einfach! Sie schien so glücklich mit sich zu sein, so zufrieden in diesem Moment. Das ist toll! Und während ich mir Gedanken mache, ob wohl jemand zuguckt, ob ich mich komisch bewege, dass ich auch mal fitter war usw.. usf. und m ich diese Gedanken hemmen, hat diese Frau einfach gemacht. Ich hätte sie ausgelacht, dabei ist sie so viel weiter als ich.

Und ich bin so dankbar, dass ich jetzt viele Menschen um mich habe, die Menschen so annehmen, wie sie eben sind. Und bei mir muss noch ankommen, dass sie das auch mit mir machen. Und ich freue mich so riesig, dass ich Menschen habe, bei und mit denen ich meine Emotionen und Herzlichkeit einfach ausleben kann. Das ist bei meiner Familie leider nicht immer so einfach. Das hat natürlich alles seine Gründe, führt aber trotzdem dazu, dass ich mich oft wie ein Alien fühle.

Eine andere Yogahasin hat mich zu ihrem 30. Geburtstag eingeladen. Das ist so eine Sportskanone mit der ich im Grunde kaum etwas gemeinsam habe. Und doch mag ich sie sehr und freue mich auf den Geburtstag.

Den Brautstrauß habe ich übrigens nicht gefangen. Aber ich glaube, das wäre auch ein bisschen unfair, wenn niemand vor mir heiratet. Das kann ja noch ewig dauern. So sehr ich mir manchmal jemanden an meiner Seite wünsche, bin ich nicht offen dafür  mich dem zu stellen. Diesem Kennenlernen, Arbeit reinstecken, sich auch mehr mit sich selbst und seinen Bedürfnissen beschäftigen, wirklich auf jemanden einlassen, jemandem Zeit „opfern“ und vielleicht wieder auf die Nase fallen, wieder auffallen, nicht persönlich nehmen, weitermachen, neue Chancen geben und nutzen…. Ich habe immer gedacht, wenn man nur den Richtigen trifft, dann wäre alles ganz einfach. Aber mittlerweile glaube ich, dass es gerade dann wenn es der richtige sein soll, schwierig sein muss. Alles was einfach war, war nicht das Wahre. Meistens weil ich mich selbst vergessen habe. Der Wunsch nach einer Beziehung war einfach zu groß.
Und jetzt fürchte ich, dass das für mich nicht vorgesehen ist. Ich bin ständig so mit mir beschäftigt. Wie soll da Platz für jemand anderes sein?
Am Dienstag habe ich mich mit zwei Freundinnen getroffen. Eine hat im letzten Jahr geheiratet und versucht schwanger zu werden und die andere heiratet im nächsten Jahr. Beide sind deutlich jünger als ich. Seit Dienstag ist dieses ganze Beziehungsthema auch bei mir wieder präsent. Ich freue mich riesig für die Beiden und bin dankbar das alles miterleben zu dürfen. Aber ein ganz leises Stimmchen fragt, „Und was ist mit dir?“
Und ich weiß es einfach nicht. Das macht mich dann irgendwie doch traurig.

Die Emotionsbombe tickt also gerade. Aber nach ganz viel Ohnmacht in letzter Zeit finde ich das auch nicht schlimm. Das bin eben ich.

Mögest Du jeden Tag spüren, dass auch die finsterste Stunde einen göttlichen Schimmer besitzt.

Schönen Sonntag ihr Lieben.

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29 Kommentare

  1. Hi, schöner Beitrag mit einem lustigen Foto. Ich glaube du hast mit Deiner Erkenntnis zu einer Beziehung recht. Wenn es das wahre Glück ist, wird es nicht einfach sein.
    Wie ein Partner in Dein Leben passt ist die falsche Frage. Der Richtige wird Dich und Dein Leben einfach so akzeptieren wie du bist. Er wird, sobald er erkannt hat das du die Richtige bist, Dich vor seiner Familie und Freunden verteidigen, wenn es nötig ist. An Deiner Seite stehen und für Dich dasein. Umgekehrt wirst du das selbe für ihn tun. Mit der Zeit und eurer gegenseitigen emotionalen Ehrlichkeit wird dann mit jeder Herausforderung die ihr gemeinsam besteht eure Partnerschaft und Beziehung fester und tiefer.
    Eines Tages, im hohen Alter, werdet ihr dann spazieren gehen und haltet eure Hände und schaut euch in die Augen und wisst es war nicht immer einfach, aber jeder Tag mit diesem Menschen an meiner Seite war es wert!

    Gefällt 2 Personen

  2. Pingback: Fitnessprojekt 52 – Woche 48 – gertrud trenkelbach blog

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