Meine vorletzte Therapiestunde

Heute war ich endlich mal wieder bei meiner Therapeutin. Zuletzt war ich im Januar da und ich hatte den Termin extra weit rausgeschoben, weil ich ja wusste, dass ich nur noch zwei Termine habe. Ich hatte schon mal beschrieben, wie große Sorgen mir das Ende der Therapie macht.

Heute ging es vor allem darum, dass ich so viel übers Essen verarbeite und dass sich etwas gönnen oder sich etwas Gutes tun für mich immer Essen heißt. Dabei kann man sich ja auch mit einem Strauß frischer Blumen, einer Zeitschrift oder sonstwas etwas Gutes tun. Es muss nicht immer die Pommes-Currywurst sein, wobei mir natürlich bewusst sein muss, dass die Currywurst viel mehr betäubt, als es ein Buch oder Schuhe es könnten. Sie hat mir nochmal Mut gemacht, dass ich nicht immer so ungeduldig und streng mit mir sein soll, und dass das Abnehmen als Nebeneffekt kommt, wenn ich die anderen Probleme besser in den Griff bekomme. Sie hat mir ein Buch geliehen, dass „Lob des Essens“ heißt. Darin soll es darum gehen, dass Essen eben mehr ist als nur die Summe der Kalorien und wie man auch mit den anderen Bedeutungen des Essens . Da bin ich wirklich gespannt und ich freue mich, weil es ja das ist, was ich auch immer sage. Es geht um so viel mehr als nur Kalorien und Defizite usw. (Gut, im Grunde läuft es natürlich darauf hinaus, weil der Körper nun mal so funktioniert, aber trotzdem glaube ich, dass viel mehr rein spielt.)

Ich habe auch über meine Angst gesprochen, mich ohne Therapie zurechtzufinden. Natürlich gibt es die Möglichkeit noch weitere Stunden zu beantragen, aber sie glaubt nicht, dass ich das brauche. Ich habe alle Katastrophen und Schwierigkeiten auch alleine geschafft und habe nicht mal angerufen, wenn es mir schlecht ging, obwohl die Möglichkeit immer bestand und besteht. Und auch in den letzten Stunden haben wir das Rad nicht neu erfunden, sondern im Grunde hat sie mir durch ein paar richtige Fragen, nochmal das nach oben gebracht, was ich sowieso weiß. Ich hab viel auch einfach erzählt und sie hat mir immer wieder bestätigt, dass ich auf einem guten Weg bin.

Sie glaubt auch, dass ich das gut schaffen kann und werde und dass ich schon so viel geschafft habe und großartig voran gekommen wäre. Auch wenn ich das nicht immer so bewusst sehe. Und was soll ich sagen? Sie hat recht. In all den Katastrophen, in all den nächtlichen Heulkrämpfen (so viele waren es gar nicht mehr!), habe ich nicht angerufen. Ich nehme keine Medikamente mehr und komme gut zurecht. Die Sorgen gehören zum Freischwimmen dazu.

Was es mir außerdem leichter macht: Ich kann zwar mehr Stunden beantragen, die könnte ich aber nicht bei ihr machen, denn sie ist schwanger! Und ich will nicht mit jemand anderem wieder von vorne anfangen. Der oder die andere kann nicht sagen, „Guck dir an, was du schon alles geschafft hast! Und jetzt der Plan mit der Ausbildung zum Yogalehrer! Das wäre vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen!“ Und das hat heute so gut getan. Meine Orientierung ist jetzt auch anders. Es geht viel mehr um neue Erfahrungen, Entwicklung und Glück finden, als Bewältigung und Verarbeitung. Ich bin ein gutes Stück aus meiner Opferrolle gewachsen. NOch nicht komplett, aber immer mehr.

ZUm Abschied und als kleines Dankeschön, möchte ich meiner Psychologin ein Tuch häkeln. Wolle habe ich schon, in Farben, die ihr gut gefallen könnten und jetzt suche ich noch ein passendes Muster. Eigentlich wollte ich den letzten Termin nochmal weit aufschieben, aber das geht nun nicht mehr, weil sie nur noch bis September arbeitet. Also ist tatsächlich Ende August Schluss.

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10 Kommentare zu „Meine vorletzte Therapiestunde

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  1. Tja, ich glaube, dass das Essverhalten sehr früh in der Kindheit angelegt wird. Und ein satter, voller bauch machte eben Wohlgefühle – und viele Eltern handhaben es ja bis heute so, dass sie traurige oder ängstliche Kinder mit Essen ruhigstellen oder aber bockige Kiddies ohne Abendbrot ins Bett schicken. Da müssen wir uns doch gar nicht wundern, oder?

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