Finde deinen Weg

Es gibt Glückwünsche, die hauen mich einfach um. (Extra fürs Zeilenende spare ich mir das Thema älter werden.)

„Behalte deine lebensfrohe Art“

Ich habe eine lebensfrohe Art? Wow. Meine Schwester hat mal zu mir gesagt „Dir scheint zwar nicht ständig die Sonne aus dem A***, aber du bist ja auch keine Depri-Uschi!“ (Daher kommt auch der Name „Depri-Uschi“.) Ich finde meine Schwester hat das gut getroffen. Einen lebensfrohen Menschen stelle ich mir anders vor. Andererseits hat der lebensfroheste Mensch auch mal schlechte Tage, oder nicht? Ich glaube, alle die etwas anderes behaupten machen sich selbst etwas vor oder sind gut im Verdrängen, was ja auch vollkommen okay ist, wenn es für sie passt. Aber zu mir passt es eben nicht. Und insofern freue ich mich einfach und irgendwie stimmt es ja doch. Ich habe immer mehr Spaß einfach auch an einfachen Alltagsdingen und auf der Arbeit ist mein Lachen scheinbar schon legendär.

„Du bist ein ganz besonderer Mensch“

Ähm, ja. Was soll ich dazu sagen? Damit kann ich am schlechtesten umgehen. Sind wir nicht alle besonders? Jeder für sich? Ich war immer ein Außenseiter, immer zu ruhig, zu in sich gekehrt, zu grübelnd, um alles und jedes Gedanken machen, zu sensibel, zu verträumt, zu empfindlich.  Das ist eben nicht besonders cool. Aber wann bin ich eigentlich so geworden? Als kleines Kind, war ich viel lauter, als Baby ja schon. Meine Eltern haben mich extra ins Auto gesetzt und sind durch die Gegend gefahren, damit ich endlich ruhig bin und schlafe. Na ja, die Frage was angeboren und was angelernt wurde, werde ich wohl nicht auf die Schnelle klären können. Die Frage ist auch, ob das nötig ist. Lange Zeit hätte ich sofort „jaaaaaaaa“ geschrien, aber jetzt glaube ich, dass doch viel wichtiger ist, was jetzt ist und was macht jetzt daraus macht und seinen Weg zum Glück für sich findet. Das Cool-Sein-Wollen habe ich zum Beispiel aufgegeben. Dann bin ich eben Außenseiter und gehöre nicht direkt zur Gruppe. Hauptsache ich finde abseits ähnliche Seelen und das funktioniert immer besser. Ob mich das jetzt besonders macht? Ich weiß es nicht. Besonders sein klingt für mich wie eine Auszeichnung und ich habe nicht das Gefühl, dass ich die verdient habe. Ich steche doch auch nirgendwo raus, ich versuche nur, mich nicht mehr zu verstecken. Hach, ein ganz schwieriges Thema. Da fällt mir auch direkt wieder „Creep“ ein. I wish I was special! Ja, das Gefühl kenne ich. Und jetzt kommt die Rückmeldung von außen und ich bin überfordert. Passt eben auch nicht so richtig zum weirdo-Selbstbild.

„Du hast ein großes offenes Herz und eine sympathische liebenswerte Seele….“

Hach, das geht runter wie Öl. Und da kann ich ehrlich sagen, dass ich  mich einfach nur freue und das tatsächlich annehmen kann. Ich bin glücklich, dass das was ich nach inner fühle, auch im Außen ankommt. Danke für diese Erkenntnis.

Sei wie du bist!  Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest, ihn weiter verfolgst, ihn stark und mutig weitergehst und dass du dich von deiner Vergangenheit befreist und im jetzt lebst. Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.

Und diese Nachricht hat mich wirklich umgehauen. Jedes Mal, wenn ich sie mir wieder anhöre (es ist eine Sprachnachricht), kommen mir die Tränen und auch jetzt wieder beim Aufschreiben. Ich habe auch noch gar nicht darauf geantwortet. Das ist genau das, was ich mir so sehr wünsche. In den Gesprächen mit meinen Eltern, der Situation mit meinem Bruder im Moment, aber auch in ganz vielen kleinen Situationen jeden Tag, die eine Erinnerung auslösen, ist der Wunsch immer größer, dass Vergangene einfach loslassen zu können. Einfach ist dabei natürlich gar nichts, denn ich habe keine Ahnung, wie das gehen soll. Aber es wächst immer mehr das Gefühl, dass es mir zu viel Kraft und Energie raubt, immer wieder alte Gefühle neu zu durchleben und es ist auch unfair den anderne gegenüber. Meinen Eltern und Geschwistern, denen ich nicht verzeihen kann, Freunden, denen ich unterstelle, sie würden mich verlassen, weil andere dies getan haben, Männern, die doch nicht alle Mistkerle sein können, weil ich an so einen geraten bin… Ich habe so ein Misstrauen und so eine Angst vor Verlust entwickelt, aber auch eine UNerbittlichkeit und vielleicht sogar ein kleines bisschen Verbitterung, die ich überhaupt nicht gebrauchen kann und vor allem NICHT WILL! Aber wie geht das?

Und auch mit dem Weg finden. Ich habe keinen Plan, wo ich im Leben hin will. Da sind immer wieder neue Ideen, aber keine wird tatächlich mit Herzblut verfolgt. Vielleicht war die richtige dann noch nicht dabei, aber andereseits, war sie das vielleicht doch und ich bin ihr nur nicht nachgegangen, weil ich mich nicht getraut habe, weil ich mir selbst zu wenig zutraue. Diese typische Bewerbungsgespräch-Frage „Wo sehen sie sich in fünf Jahren?“, führt bei mir zu Herzrasen. Keine Ahnung?! Lange habe ich immer gesagt, weil das Leben sowieso immer andere Sachen mit einem vorhat und es dementsprechend auch keinen Sinn hat, Pläne zu machen. Aber so grundlegende Dinge Kinde/Ehe oder Mann überhaupt/Eigentum/berufliche Perspektiven… da schadet es doch nicht zumindest eine Idee oder einen Wunsch zu haben. Das Leben stellt uns sowieso auf die Probe, aber das heißt doch nicht, dass ich selbst nichts beisteuern kann, dass ich mich in die gewünschte Richtung bewege. Ich dagegen stolpere durch mein Leben, dass man denken könnte, ich würde Freestyle tanzen. (Der Spruch ist natürlich geklaut, aber ich freue mich gerade, wie gut ich ihn einbauen konnte!)

Ich weiß einfach nicht, wie ich das umsetzen kann. Ich möchte das so sehr, aber ich weiß nicht, wie das geht. Und ich glaube, das ist es, was mir bei dieser Nachricht die Tränen in die Augen treibt.

 

Anmerkung:

Bevor das jemand in den falschen Hals bekommt: Ich habe das jetzt nicht geschrieben, um mit meinen Glückwünschen anzugeben, oder damit mir alle sagen, wie toll ich bin, sondern einfach nur, weil ich meine Gedanken dazu sortieren muss und weil ich mittlerweile weiß, dass sie eher aus meinem Kopf sind, wenn ich sie erst in die (Blogger-)Welt getragen habe.

Ich wünsche euch einen schönen Samstag

 

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3 Kommentare

  1. Dein Geburtstag ist mir im Arbeitsstress total entgangen.. also alles gute Nachträglich 🙂 für mich sind Glückwünsche auch immer sehr bedeutsam und ich neige auch auch dazu sie über zu interpretieren. (vorallem ins negative) ich freue mich aber für dich, dass du viel positives aus ihnen ziehen kannst. sie scheinen auch sehr auf deine Person abgestimmt und ernst gemeint zu sein.. klar passt nicht immer alles ganz ins Selbstkonzept und macht einen nachdenklich, aber insgesamt scheinen die Glückwünsche dich ja gefreut zu haben 🙂

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  2. Das mit dem 5 Jahresplan finde ich auch eine selten dämliche Frage. Sie wurde mir in Bewerbungen zum Glück selten gestellt (wahrscheinlich fanden die jeweiligen Chefs oder Personaler sie genauso blöd), aber wenn, dann habe ich tatsächlich so darauf geantwortet wie du es beschreibst: „keine Ahnung, da die Dinge meist nicht so kommen, wie man sie sich fünf Jahre zuvor vielleicht ausgemalt hat“ – ich kann dir allerdings jetzt nicht mehr sagen, ob Bewerbungen, in denen ich diese Aussage (oder eine ähnliche) zum Besten gab, von Erfolg gekrönt waren 😉

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  3. Sehr nett, dass du so viel Rücksicht auf mich nimmst. Ich fühle mich nämlich seit gestern spontan um Jahre gealtert, ganz ohne Geburtstag. Das ist schon schlimm genug. 😉

    „nicht geschrieben, um mit meinen Glückwünschen anzugeben“

    Und da mach dir mal keine Sorgen … Es ist lieb von dir, dass du die Glückwünsche mit uns teilst. Man lernt Menschen im Blog ja immer nur in Aspekten kennen. Du hast jetzt noch ein paar andere hinzugefügt. 🙂

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