„Das wäre alles einfacher, wenn du einen Partner hättest!“

Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft und zu welchen Gelegenheiten ich diesen Satz gehört habe. Selbst als ich in der Klinik war oder im Anschluss in der Tagesklinik. Und ich habe nie verstanden, welchen Vorteil mir das verschafft hätte. Ich bin ja eher der Typ, der denkt, er müsse und könne auch alles alleine bewältigen. Natürlich sagt man schnell, dass geteiltes Leid halbes Leid wäre. Aber andererseits hat man doch auch nichts davon, wenn zwei unglücklich sind. Denn jemanden mit Depressionen auszuhalten ist nicht leicht. Das habe ich schon unzählige Male mit Freundschaften erlebt. Warum soll es in einer Partnerschaft einfacher sein? Im Gegenteil, da ist dann noch jemand, der Erwartungen hat, Anforderungen stellt und so irgendwie und unfreiwillig immer wieder zeigt, wie unzulängig man doch ist. Ich glaube, deswegen habe ich so große Probleme damit, jemanden wirklich kennenzulernen. Ich habe immer Angst davor, dass derjenige geht, wenn er erst merkt, welche Belastung ich bin. Deswegen halte ich mich meistens zurück und gebe dem anderen so auch kaum eine Chance. Oder ich lasse direkt alle Verrücktheiten und Makel raushängen, damit der Mann weiß, worauf er sich einlässt. So oder so, besteht kaum eine Chance MICH kennenzulernen. Und wenn ich das nicht in den Griff bekomme, dann werde ich auch immer alleine bleiben. Andererseits – wäre das so schlimm?

Ich habe das jetzt gerade zum allerersten Mal das Gefühl, dass es ganz schön wäre, der einen ein bisschen umsorgt, der für einen in die Apotheke fährt oder der mal eben den Staubsauger schwingt, während man selbst noch ein Erkältungsbad machen kann, oder jemand, der einem einfach mal sagt, dass alles wieder gut wird, wenn man gerade selbst das Gefühl hat, man würde sich nie wieder bewegen können. Ich bin gerade echt mal wieder zum Jammern aufgelegt. (Ich muss wirklich aus dem Jammer-Montag einen Jammer-Dienstag machen. Das scheint viel eher mein Tag zum Durchhängen zu sein.) Aber ich hasse es auch einfach krank zu sein und zu sehen, wie schwach der Körper sein kann. In solchen Momenten fühlt es sich dann so an, als wäre all die Kraft, die ich mir mühevoll antrainiere direkt wieder verfällt. Und das nächste ist, dass ich bis einschließlich morgen krank geschrieben bin, aber ab Freitag Urlaub habe. Verschiebe ich meinen Urlaub oder lasse ich es, so wie es ist und ursprünglich geplant war? Aber von der Krankheit in den Urlaub ist doch auch immer blöd. Wie sieht das denn aus? Der eine Tag dazwischen reißt doch auch nichts raus. Ich habe sogar meine Kollegin gefragt, ob ich meinen Urlaub verschieben soll. Sie hat mich direkt zurückgerufen und gefragt, was das denn überhaupt für eine Frage sein soll. Ich bin so froh, dass ich meine Büromutti habe. Und trotzdem mache ich mich immer wieder verrückt und grüble hin und her. Ich bin aber tatsächlich auch ein absoluter Pessimist. Ein Scheitern fühlt sich immer wahrscheinlicher an als ein Erfolg. Überwindet man sowas irgendwann? Muss ich das überhaupt? Oder ist das einfach so, wie ich gestrickt bin? Ich glaube, ich muss prinzipiell erstmal gar nichts! Ich muss nur aufpassen, dass es ich nicht einengt und zurückhält, dass ich trotzdem immer wieder offen für Wunder bleibe. Und vielleicht kommt eines Tages auch der Mann, bei dem ich mich traue offen zu sein und einfach MICH zu zeigen. Und das ist es doch, worauf es trotz Pessimismus ankommt: Die Hoffnung nicht zu verlieren.

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Therapieende

Nach meiner letzten Therapiestunde gestern, habe ich den ganzen Abend immer wieder geweint. Der Trennungsschmerz ist nicht weg, aber so langsam schleicht sich der Gedanke ein, dass es gut so ist. Denn keine Therapie mehr zu benötigen, oder zumindest soweit, dass  ich akut keine brauche und so weit gekommen bin, dass ich überhaupt bereit mit mich meinen Dämonen und der Depri-Uschi alleine zu stellen, das ist doch ein gutes Zeichen. Aber ich werde meine Therapeutin vermissen. Und ich werde die Zeiten vermissen, in denen es ganz vorbehaltlos um mich ging. Wo mir niemand vorwerfen konnte, ich würde mich nur melden, um zu jammern. Aber auch das hat sie mir gestern noch etwas mitgegeben: Wenn ich immer so lange warte, und mich so lange bei anderen NICHT melde, ist es auch kein Wunder, dass ich irgendwann überlaufe mit meinen Themen und den Themen der anderen wenig Platz einräumen kann. Das klingt logisch. Und allein für solche kleinen Sätze, für diese kleinen Erkenntnisse, bin ich ihr unheimlich dankbar.

Aber ich habe das Gefühl, dass ich diesen Neustart jetzt irgendwie besiegeln muss. Nein, ich möchte! Ich hatte an ein Armband oder sowas gedacht, aber noch nicht das richtige gefunden. Eins was ich ganz passend fand, ist leider schon ausverkauft. EIn Armband in roségold mit Schriftzug „Glückskind“. Denn im Großen und Ganzen glaube ich, dass das Schicksal oder wer auch immer, es ziemlich gut mit mir meint. Das konnte ich nur lange, lange, lange nicht so sehen und war nicht offen dafür. Und das möchte ich nie weider vergessen! Natürlich kam mir auch die Idee einer Tätowierung, aber dann muss es ein Symbol sein, dass genug Trag- und Strahlkraft hat. Außerdem habe ich ja noch meine Lotusknospe, die irgendwann voll erblüht sein soll. Aber soweit bin ich noch nicht.

Habt ihr vielleicht eine Idee?

Abschied kann ich nicht

Heute hatte ich meine letzte Therapiesitzung. Und schon während ich das schreibe, laufen wieder die Tränen. Drei Jahre wurde ich begleitet, hatte regelmäßig Zeit, in der es ganz ausnahmslos nur um mich ging. Wir sind heute nochmal durchgegangen, was sich bei mir geändert hat, was ich gut kann, wo ich noch Bedarf sehe und wir sind uns einig, dass es für mich jetzt einfach Zeit ist, es alleine zu probieren. Und trotzdem mache es mich traurig und es macht mir Angst. Und ich mag meine Therapeutin so unfassbar gern.

Das Tuch habe ich übrigens gar nicht erwähnt, denn ich hatte das Gefühl, dass das gerade einfach nicht passt. Ich hatte stattdessen ein Lesezeichen mit einem Zitat von Goethe.

Wie es auch sei, das Leben, es ist gut.

Denn ich finde, der Spruch spiegelt sehr gut wieder, was ich gelernt habe.

Ich musste in der Stunde schon mit den Tränen kämpfen und sie zum Schluss auch. Sie sagt, es hätte Spaß gemacht, mit mir zu arbeiten und mir bei der Entwicklung zuzuschauen, weil ich immer so offen war, mich darauf einlassen konnte und wirklich gearbeitet habe. Ich wollte das ja auch unbedingt und ich habe mich bei ihr so gut aufgehoben gefühlt. Außerdem sagt sie, ich hätte eigentlich schon ganz viel gutes Handwerkszeug mitgebracht, mir wäre es nur nicht bewusst gewesen.

Dazu kommt noch, dass sie schwanger ist und wenn ich in einem halben Jahr merke, dass ich doch nicht klar komme, dann ist sie in Mutterschutz bzw. dann ja schon Elternzeit. Und ich will nicht woanders wieder von vorne anfangen.

Aber mutig bin ich auch nicht.

Pono und Hula-Fieber

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich Hula mittlerweile liebe. Ich habe ja immer schon gerne getanzt, aber in der ersten Stunde, haben mich die Spiegel vollkommen wahnsinnig gemacht. Ich konnte den Anblick kaum ertragen. Also meinen Anblick! Und darüber konnte ich mich kaum auf die Schritte konzentrieren.

Gestern habe ich ganz deutlich gespürt, dass mein Herz einfach mitfühlt. Ich denke über die Schritte nicht nach, ich setze die Füße einfach, wie es sich gerade richtig anfühlt. Und wenn es dann doch nicht richtig ist, lache ich darüber und steige wieder ein. Und die Spiegel machen mir nicht mehr viel aus, sondern sind nur noch Hilfsmittel, um zu sehen, ob die Hüfte richtig  mitschwingt und um nicht nur die Choreographie richtig zu tanzen, sondern dabei auch noch die Gruppe im Auge zu haben. Gestern habe ich sogar gedacht, dass das ziemlich gut aussieht, wie die Hüften schwingen. Mein Herzyoga wird gerade vom Herzhula abgelöst, weil die Leute auch so süß sind. Dafür löst sich meine yogagruppe auf. Das ist so traurig, aber liegt wohl auch einfach in der Natur der Dinge.

Wie mittlerweile jede Woche, haben wir wieder Alohakarten gezogen. Ich habe genau die gleiche Karte wie beim letzen Mal gezogen: Pono

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Erst hieß es: „Hast du das Thema noch nicht bearbeitet?“ Meine Antwort war dann auch, dass ich wohl noch nicht damit fertig wäre. Aber die anderen waren sich schnell einig, dass ich das schon längst weiß, bin und danach handle. Ich sehe es nur nicht und deswegen hätte ich nochmal die Karte gezogen. Um mich genau darauf aufmerksam zu machen. Ich kann gar nicht sagen, warum genau, aber ich war so berührt, dass ich hätte heulen können. Warum können sie es sehen, aber ich nicht?

Nette Idee, leider gescheitert

Am Dienstag habe ich meine allerletzte Therapiesitzung und ich wollte meiner Therapeutin gerne ein Abschiedsgeschenk machen. Natürlich ist man verleitet zu sagen, sie würde nur ihre Arbeit machen, aber trotzdem möchte ich ihr Danke sagen. Denn seine Arbeit kann man so oder so machen. Für mich ist es ja auch die dritte Therapie, aber die erste von der ich sagen kann, dass sie mich weiter gebracht hat. Das liegt natürlich auch an mir, aber egal. Es ist auch das erste Mal für mich, dass ich eine letzte Therapiestunde erlebe. In den Therapien bin ich irgendwann einfach nicht mehr hingegangen.

Jedenfalls hatte ich direkt nach der Therapiestunde im letzten Monat schöne Wolle mit Farbverlauf gekauft. Es sollte ein gehäkeltes Halstuch werden. Das Muster wusste ich schon. Und so habe ich mehr oder weniger fleißig gehäkelt. Am Wochenende wurde mir klar, dass ich mich beeilen muss, wenn ich fertig werden will. Also hatte ich das Tuch immer dabei, um jede Gelegenheit zu nutzen.

Gestern kam ich nach der Arbeit nach Hause und dann sah ich das! Auch bekannt als Wollkotze!

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Wollkotze

Die Schuldigen waren natürlich schnell gefunden, denn sie und stritten die Tat gar nicht ab. Sie hätten gerne weiter gemacht. Und überhaupt bin ich natürlich selbst schuld, wenn ich das liegen lasse.

So locker und fluffig das auf dem Bild noch aussehen mag, es ist unmöglich das zu entwirren. Und das Schlimmste ist, dass das gefachte Wolle ist und die einzelnen Fäden immer wieder gerissen, d. h. selbst, wenn ich es doch schaffe, das Chaos zu entwirren, würde ich ständig neu anknoten müssen. Das sieht dann ja auch nicht mehr schön aus.

Also ist das Tuch leider gestorben und bis Dienstag schaffe ich kein neues. Und jetzt?

Hier ein Phantombild eines Täters:

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Einer der Täter

„Es gibt Hilfe.“ Nein, die gibt es nicht.

Ein großartiger Artikel über diese absurde Situation, wenn man wirklich Hilfe möchte. (Bild geklaut von der erzaehlmirnix-Facebookseite:  https://www.facebook.com/Erzaehlmirnix-303019143112863/)

Weil einfach nur zu sagen, es gibt Hilfe einfach nicht reicht!

https://diekolumnisten.de/2017/08/01/kreisen-ihre-gedanken-darum-sich-das-leben-zu-nehmen-hier-finden-sie-hilfe/

 

 

senorita auf Rezeptsuche

Eigentlich wollte ich für morgen noch schnell einen Kuchen backen. Nein, stimmt nicht. Eigentlich wollte ich KEINEN Kuchen backen. Weil meine Büro-Mutti Urlaub hat, und weil ich keine Lust habe zu backen und weil wir in der letzten Woche jeden Tag Kuchen hatten…. Und jetzt gerade dachte ich: „Mhh, ich könnte eigentlich doch noch schnell einen Kuchen backen für morgen.“ Aber ich bin echt schlecht ausgestattet. Mein Buch mit den gesammelten Lieblingsrezepten ist leider weg und ich habe kaum Zutaten da. Selbst die Schokolade, die ich extra zum Backen gekauft hatte, habe ich – bis auf eine Tafel Halbbitter – einfach so aufgegessen. Ich habe weder Kakao noch Zitrone. Weder Rum noch Rum-Aroma. Ein einfacher Rührteig würde gehen, aber das ist doch auch langweilig, oder? Na ja, gibt es eben keinen Kuchen. Ich habe Geburtstag, da könnte mir jemand einen backen! So!

Eigentlich wollte ich aber was ganz anderes erzählen, nämlich wie ich bemerkt habe, dass die Depressionswelle letzte Woche sich wieder verabschiedet hat. Das ist verrückterweise gar nicht sooo eindeutig. Man könnte meinen, es würde ein wahres Stimmungsfeierwerk losgehen. Ups, ich meinte natürlich FeUerwerk, aber feiern passt auch. Yippie yeah, die Depri-Uschi hat mich wieder nicht richtig eingefangen. Juchu, die Schwere ist wieder verschwunden! Aber meistens schleicht das ganze so von dannen, wie es sich angeschlichen und zugepackt hat.

Aber ich saß im Auto auf dem Weg nach Hause und im Radio kam – Justin Timberlake. Ich liiiiiiiiebe Justin Timberlake. Und es war nicht „Can’t stop the feeling“, sondern ein älteres Schätzchen.

Und schon war ich mittendrin „I don’t know what I’m thinking bout, really leaving with you“. Im Auto habe ich meine größten Auftritte, ob das besser ist als in Hörweite kann nur mein Auto beurteilen und die alte Dame hält zu mir. Jedenfalls habe ich da realisiert, dass es mir wirklich besser geht und war unfassbar begeistert.

Deswegen hier jetzt auch für euch: