Über dem ängstlichen Gedanken, was etwa morgen uns zustoßen könnte, verlieren wir das Heute, die Gegenwart, und damit die Wirklichkeit.

Soll ich meine Therapeutin bitten, weitere Therapiestunden zu beantragen?

Die Idee schwirrt seit gestern in meinem Kopf herum. Mein nächste Sitzung habe ich erst verschoben. Nicht, weil es mir so gut geht, sondern weil ich noch lange die Möglichkeit haben will jederzeit anrufen zu können.

Mir macht es große Angst, dass die Therapie bald weg fallen wird. Ich habe doch auch gerade erst die Antidepressiva abgesetzt. Bin ich schon weit genug?

Ja, ich habe viel gelernt und natürlich geht es mir so unfassbar viel besser. Aber kann ich das letzte Jahr als „Schwachstelle“ auslegen? Als Beweis, dass ich eben doch noch nicht so weit bin? Weil ich immer noch zu viel mit Essen verarbeite, weil das Verhältnis zu meiner Familie immer noch schwierig ist, weil mir immer noch Sicherheit fehlt, weil ich so sehr an mir zweifle, weil ich mich anderen Menschen eben doch nie so richtig öffne…

Ja und nein. Ich esse zu viel, wenn es mir schlecht geht, wenn ich mich leer fühle, esse ich, um mich voll zu machen, ich esse, um mir gutes zu tun. Und das ist nicht richtig. Da muss ich einen besseren Weg finden, ja. Das Verhältnis zu meiner Familie ist schwierig, ja. Aber ist es das nicht irgendwie immer? Vielleicht habe ich auch einfach eine zu rosarote Vorstellung von Familie, weil ich woanders immer nur die positiven Dinge sehe. Ja, mir fehlt Sicherheit. Aber gibt es überhaupt Sicherheit? Und wenn ja, ist diese tatsächlich auch für mich machbar? Ich mach mir nun mal viele Gedanken, aber ich mache ja trotzdem… und darauf kommt es letztendlich an, oder? Ich zweifle an mir, aber ich weiß, dass ich das überhaupt nicht müsste. Das letzte Jahr war keine Schwachstelle, es hat mir gezeigt, dass ich stark bin und dass ich endlich anfangen sollte, daran zu glauben. Wie viele Prüfungen muss ich denn noch bestehen, bis ich das endlich glaube? Ich öffne mich Menschen, in dem Maße, ich das in dem Moment öffne. Als wir nach einer Yogastunde letzten über Beziehungen gesprochen haben, sagte jemand, dass man sich für eine Beziehung ja auch total öffnet und das natürlich verletzlich macht. Und mir schoss direkt der Gedanke durch den Kopf, dass ich deswegen so lange Single bin. Und das mag zum Teil auch stimmen. Andererseits will ich auch gar nicht jedem Hansel gleich mein Herz öffnen. Solche Leute sind häufig auch eher anstrengend, weil sie einen mit sich so überfrachten.

Also doch nur die Angst? Habe ich Angst ohne Stützräder zu fahren? Die Sachen mit den Stützrädern ist ja die – man verlässt sich so sehr auf sie und bemerkt gar nicht, dass sie so verbogen sind und in der Luft stehen, dass man im Grunde schon lange ohne fährt. Aber das erste Mal Fahren, nachdem sie abmontiert wurden, ist fürchterlich und angsterfüllt.  Und wenn ich Angst habe, werde ich so vorsichtig, dass ich umfalle. Bin ich gerade an dem Punkt?

Aber es sind nicht nur die Stützräder. Das Fähnchen kommt auch noch weg. Ohne Yoga – wie soll das gehen? Bzw. ich bin im letzten Jahr, so selten gegangen, ich sehe ja, wohin das geführt hat. Und da hatte ich zumindest noch jederzeit die Möglichkeit.

Es fühlt sich so an, als hätte ich mir ein gutes Auffangnetz aufgebaut und jetzt reißt es überall und wird angeschnitten. Heißt es, dass das doch nicht genug war? Ich verfange mich selbst so in meinen Gedanken und Sorgen, dass ich selbst gar nicht mehr weiß, was richtig ist. Und ob ich mir selbst zu gut zurede oder mich zu verrückt mache. Und all das wird vermutlich erst die Zeit zeigen. Aber mit oder ohne Therapie? Ich weiß es gerade selbst nicht….

Weißt du, Dinge werden wahr, wenn man sie oft genug sagt

Ich habe mir etwas fürs Herz gewünscht  und „Grapefruit“ bekommen.

Über dir hängt Schwermut an der Wand
Wie ’ne sehr alte Girlande mit ’nem Meer aus Elefanten
Und Betonluftballons dran
Die geformt sind wie Monster
Wie and’re Edelparfum trägst du ’nen düsteren Blick
So düster – Lana Del Rey wär‘ sicher neidisch auf dich
Du sagst, dass das dein Schicksal ist
Dass du ab jetzt – doch sorry, daran glaub‘ ich nicht

Siehst du? Ich versteh‘ dich
Dass ist erstmal nur ’ne These, doch ich glaube, ich versteh‘ dich
Es ging mir schon mal ähnlich wie dir
Vielleicht weiß ich auch zu wenig über dich
Doch dein trauriges Gesicht, das erinnert mich an mich
Du erinnerst mich an mich

Denn weißt du, letztes Jahr – in etwa in genau dem gleichen Zeitfenster
Wie jetzt – hab‘ ich mit stumpfen Schwerten mich und auch Gespenster bekämpft
Ich lag jeden Tag nur im Bett und hab‘ mir Fragen gestellt
Wie zum Beispiel: Was ist bloß mein Plan auf der Welt?
Aber all das Kopfzerbrechen, die gefährlichen Gefechte
Und Duelle gegen mich zehrten sehr an meinen Kräften
Bis ich mir mit weißen Flaggen nachts den Frieden angeboten hab‘
Weil ich, wenn ich gewinne, auch am Ende bloß verlor’n hab‘
Ich wollte immer wie die andern sein, nur dass das absolut nichts bringt
Und dass das absolut nicht geht, weil’s die andern ja schon gibt
Der Tag, an dem das klar war, war für mich der erste Neubeginn
Und heute kann ich sagen, dass ich meine beste Freundin bin

Und all die schönen Dinge auf der Welt – das kann kein Zufall sein
Da hat es Mutter Erde mit uns Menschen ganz schön gut gemeint
Zeit vergeht zu schnell, um den Gedankenmonstern zu verfall’n
Und was du von dir hältst, das entscheidest immer du allein
Und Umarmung’n und Blum’n und im Sommer Regenduschen
Guck mal: schwimmen, atmen, lesen, schlafen
Freunde und Momentaufnahm’n
Lieben, lachen, kochen, tanzen
Weihnachten – wie nice das ist!
Und dann auch noch begreifen, dass du deine eig’ne Heimat bist
Und dann noch sing’n, und wir beide in der Küche
Und noch Coldplay, und vor allem Grapefruit zum Frühstück
Und eins noch: Mit ’nem Beinbruch gehst du auch zum Orthopäden
Deshalb kannst du ja vielleicht mal mit ’nem Psychologen reden?!
Deshalb bist du nicht verrückt – also auch nicht mehr als ich
Nimm deine Summertimesadness ab und zeig mir dein Gesicht!
Und ich will dir so vieles sagen wie zum Beispiel:
Du musst Phasen, so wie grade, nicht ertragen – nicht mal heimlich
Hör nicht auf die Zweifel, denn du bist nicht alleine
Hier, und alles geht immer weiter, immer weiter, so wie wir

Und weißt du, Dinge werden wahr, wenn man sie oft genug sagt
Sie oft genug –, heute wird ein schöner …
Weißt du, Dinge werden wahr, wenn man sie oft genug sagt
Sie oft genug –, heute wird ein schöner Tag
Komm, wir machen mal das Fenster auf, das Radio laut
Lass frischen Wind herein und alle alten Zweifel heraus
Wenn du fest daran glaubst, dann wirst du glücklich
Und heute gibt es Grapefruit zum Frühstück
Und weißt du, Dinge werden wahr, wenn man sie oft genug sagt
Sie oft genug –, heute wird ein schöner …
Weißt du, Dinge werden wahr, wenn man sie oft genug sagt
Sie oft genug –, heute ist ein schöner Tag

My story isn’t over yet

„Ein Semikolon repräsentiert einen Satz, den der Autor beenden könnte, aber sich dazu entschieden hat, es nicht zu tun. Dieser Autor bist du – und der Satz ist dein Leben.“

Ich liebe diese Botschaft.

Die Zeiten, zu denen ich darüber nachgedacht habe, tatsächlich den Punkt zu setzen, sind immer noch sehr nah bei mir. Also nicht, dass ich das noch als Option sehe, aber das Gefühl damals, die Hoffnungslosigkeit, die Leere, die Schwere. Als würde es nie wieder etwas anderes geben und als würde ich die Welt zu einem besseren Ort machen, wenn sie ohne mich auskommen würde.

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte anderen deutlich machen, wie sich sowas anfühlt, denn dann würden sie sich Sprüche wie „Du musst das positiv sehen und das beste daraus machen!“ hoffentlich sparen. Denn diese Sätze versetzen mir immer noch einen tiefen Stich ins Herz. Wenn ich das könnte, dann hätte ich keine Depressionen. Und hätte ich damals tatsächlich das (für mich) vermeintlich Beste aus der Situation gemacht, dann würde es mich jetzt nicht mehr geben.

Und das Traurige ist, dass ich das immer noch nicht traurig finden würde, sondern einfach nur als eine andere Option. Mein Leben wäre eben vorbei gewesen. Schade, aber mehr auch nicht. Und dieser Gedanke ist gruselig.

Wenn ich manchmal wieder beginne, mich mit Anderen zu vergleichen, dann kommt mir aber auch der Gedanke, dass ich mir damit selbst unrecht tue. Denn ich musste von ganz unten, kurz vor dem Ende wieder kehrt machen und mich durchkämpfen. Natürlich sind Andere da vermeintlich weiter, wenn diese Wendung bei ihnen nicht nötig war. Es ist nun mal ein Teil meiner Geschichte, und ich würde gerne noch viel offener damit umgehen können. Ich möchte z. B. nicht, dass mein Arbeitgeber weiß, dass es (mittlerweile zum Glück immer seltener) Tage gibt, an denen ich mich nicht zusammenreißen kann, an denen die Depri-Uschi stärker ist als ich. Und gleichzeitig würde ich es so gerne offen sagen können. Ich wollte sterben, mein größter Wunsch war es, einfach nicht mehr aufzuwachen, aber jetzt bin ich hier! Ich habe hart daran gearbeitet, während Andere damit beschäftigt waren, eine Familie zu gründen, Karriere zu machen, sich selbst zu verwirklichen oder vielleicht auch nur damit einfach vor sich hinzuleben. Und dann versteht ihr, warum ich so unglaublich stolz darauf bin, so lachen zu können, dass im Büro nebenan die Türen geschlossen werden. Oder warum es für mich so besonders ist, mein „OM“ beim Yoga schmettern zu können, ganz egal, ob die Anderen schon aufgehört haben oder nicht. Und dann würden hoffentlich viele Fragen gestellt, mit denen ich dazu beitragen kann, so viele Vorurteile und Missverständnisse vielleicht nicht zu beseitigen, aber zumindest zu verringern. Möglicherweise könnte ich sogar dazu beitragen, dass Verständnis und den Umgang mit depressiven, oder überhaupt psychisch kranken Menschen zu verbessern. Dass für viele so ein Spruch wie „Man muss sich einfach auch über Kleinigkeiten freuen!“ unglaublich tief verletzen kann. Denn das würden wir gerne – sehr gerne sogar! Und der Satz „Anderen geht es viel schlechter!“ ist eine ausgesprochene Bestätigung für mein sowieso schon negative Selbstbild. Denn ich weiß, dass es Anderen schlechter geht, dass ich mich zusammenreißen müsste, aber ich kann es einfach nicht!

Aber so mutig bin ich leider nicht. Zu groß ist die Angst auf Unverständnis zu stoßen. Selbst Freundschaften sind dadurch zerbrochen, weil Freunde nicht das Verständnis aufgebracht haben, oder weil ich eine zu große Belastung war. Wahrscheinlich beides. In depressiven Zeiten kann ich keine Freundin sein. Der Kampf ist zu anstrengend. Wer möchte das schon mitmachen? Vor allem immer wieder. Und noch mehr Vorwürfe „Egal, was man sagt, es hilft sowieso nichts!“ will ich auch nicht mehr hören. Ich habe mir das nicht ausgesucht, ich würde gerne einen Teil der Last abgeben, aber ich gebe mein Bestes. Wenn du den Weg nicht mit mir gehen kannst, verstehe ich das, aber bitte wirf ihn mir nicht vor und werfe mir nicht vor, ich würde nicht alles dafür tun, ihn weiter zu gehen.

Deswegen finde ich „The Semicolon Project“ so großartig. Das Semikolon ist ein schönes Zeichen für die Geschichte vieler psychisch kranker Menschen und doch offenbaren sie sich mit einem kleinen Tattoo oder dem Armband, zumindest an diejenigen, die es verstehen. Und dadurch, dass es an der Hand getragen wird, ist es eine Erinnerung da ist, dass es keine Schande ist, seine Hand auszustrecken und sich Hilfe zu suchen.

Falls das jemand liest, der psychisch krank ist oder das Gefühl hat, es könnte eine psychische Krankheit vorliegen: Ihr seid nicht allein, ihr müsst das nicht alleine durchstehen.

Infos gibt es zum Beispiel hier: http://www.depressionsliga.de/

Und mein ganz persönliches Angebot für alle, die es gerade oder irgendwann einmal gebrauchen können:

Wenn euch etwas auf der Seele liegt, was einfach mal gesagt werden muss, dann schreibt ihr. Ich sage nicht, dass ich helfen kann, dass ich Ratschläge habe oder die Last nehmen kann. Aber ich kann da sein und zuhören!

 

Was stimmt denn nicht?

Ich kriege es einfach nicht hin. Mir ist zum heulen, aber ich kann einfach nicht. Seit Wochen kein Yoga, keine Bewegung (außer auf der Arbeit, den Lauferei um Unterschriften einzusammeln), eine fürchterliche Ernährung… ich meine, es geht in erster Linie nicht mal um die Menge, aber vor allem mal was anständiges.

Ich bin nur noch müde und gleichzeitig angespannt. Aber schlafen kann ich dann trotzdem nicht. Ich bin alle paar Stunden wach und kann nicht mehr einschlafen. Morgens komme ich nicht aus dem Bett und schleppe mich durch den Tag.

Yoga ist meine große Leidenschaft und hat mir bereits unfassbar geholfen. Dass ich selbst das nicht mehr mit Herzblut verfolge, macht mir große Angst. Ich bin doch selbst noch zu Zeiten mit Abendschule und Messen, mindestens zwei Mal die Woche ins Studio gegangen und sonst habe ich zu Hause noch was gemacht. Morgens freue ich mich richtig zum Yoga zu gehen  und abends will ich nur noch ins Bett. Aber ich hab ja nicht mal eins. Das frustriert so! Der ganze Spaß, das Gefühl, dass das meine Therapie ist, die Freude, die anderen Yogahasen zu treffen, usw. Das ist alles weg…. Und das tut mir im Herzen weh, aber ich habe trotzdem einfach keine Energie mehr. Ich fühle mich so ausgelaugt und sehe aber noch gar kein Ende. Mit meiner Wohnung geht es ja jetzt erst so richtig los. Und ich bin gerade erst seit einem Monat wieder im Unternehmen, in der Probezeit und kann mir da ja auch keinen Durchhänger leisten.

Dazu kommt noch, dass ich in der nächsten Woche meinen Arzttermin habe und der Plan war ja, dass ich dann auch meine Antidepressiva absetze. Kann ich das? Schaffe ich es ohne? Andererseits ist die Dosis schon fast homöopatisch und eigentlich war ich ja auch so überzeugt, dass ich viel stärker geworden bin. Es ist echt zum heulen.

Zwei freie Tage

Die letzten zwei Tage hatte ich frei.
Gestern war ich vormittags zur Hot-Stone-Massage bei Anke. Das war so toll! So schön warm und entspannend. Aber auch währenddessen haben die Gedanken gewütet. Wenig konkretes, aber eben doch auch Chaos. Anke sagte nachher sie hatte das Gefühl, dass die Emotionen wellenweise aufkommen und ich sie aber direkt abwehre. Das stimmt, aber ich mache es gar nicht bewusst. Vielleicht ist das gerade meine Art mit dem Chaos um mich herum umzugehen. Aber besonders schön finde ich es nicht. Meistens ist es doch viel besser das Drama einmal zuzulassen und dann weiterzumachen. Ich weiß auch noch nicht so richtig. Nach der Massage hat Anke mir auch noch Chakrensteine aufgelegt. „Beim Auflegen mit Heilsteinen kann man ein Chakra speziell beeinflussen, indem man die individuelle Schwingung des Edelsteins auf das Chakra wirken lässt und es so stimuliert. Die Schwingung des Chakras wird dadurch angeregt und reaktiviert, es gerät in Resonanz.“ (Quelle und weitere Infos hier)

Besonders der Stein auf dem Halschakra hat sich wesentlich schwerer angefühlt als die anderen. Das Halschakra steht für Kommunikation, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung, Inspiration, körperliche und geistige Reinigung und die Schnittstelle zwischen Verstand und Geist. Das ist gerade ja tatsächlich Thema bei mir und insofern ist es schön, nochmal zu spüren, dass ich mich darum kümmern sollte.

Im Gespräch mit Anke danach, habe ich gesagt, dass ich irgendwann auch gerne einen Reiki-Grad machen möchte und war ganz erleichtert, dass sie nicht gelacht hat. Meine Motivation ist ja eher, das weiterzugeben, wovon ich so sehr profitiere. Aber sie sagte, dass es gerade beim ersten Reiki-Grad darum geht, sich selbst Reiki zu geben, sich mit sich selbst zu beschäftigen und auch mehr Selbstbewusstsein aufzubauen. Jetzt weiß ich erst recht, dass ich das machen möchte! Aber noch ist die Zeit nicht reif. Vielleicht müssen sich erst die Wogen um mich herum glätten, aber Anke sagt, ich werde spüren, wenn es soweit ist und dann gibt es auch keine Zweifel mehr. Also schaue ich jetzt einfach, wie es weiter geht. Dann durfte ich auch noch einen Stein (Bergkristall – Klarheit. Das ist ja schon fast lächerlich, wie es passt.) und eine Engelskarte ziehen. Die Engelskarte hieß Gelassenheit und was daran für mich am schönsten ist, ist der Satz: „Deine ruhige Ausstrahlung bietet allen, die in Deine Aura eintreten, Hoffnung und Unterstützung.“ Das ist wirklich wunderschön, denn ich habe so lange mit mir selbst gehadert und fand es selbst so schlimm, dass ich so ruhig bin. Eigentlich habe ich erst im letzten Jahr gemerkt, wie sehr ich es genieße, das einfach so auszuleben und nicht dem Drang nachzugehen mich anders zu geben, um besser anzukommen, leichter Freunde zu finden usw. Ja, es verursacht Schwierigkeiten und ich lerne andere Leute nicht so schnell kennen. Aber wenn, dann ist es immer von Herzen. Ich werde mich nicht mehr verstellen. Denn wenn ich ruhig und gelassen bin, dann bin ich ich selbst. Und die Karte zeigt, dass das auch vollkommen richtig so ist.

Als ich nach Hause kam, war ich noch total im Ruhemodus, aber meine Eltern waren in heller Aufregung. Auf das warum möchte ich hier nicht eingehen, aber es war ein heftiger Bruch zu meiner Ich-bin-noch-gar-nicht-wieder-ganz-in-dieser-Welt-Stimmung.

Nachmittags habe ich ausgiebig geschlafen und da Anke mich überredet hatte, abends nochmal zum Yoga zu gehen, war ich tatsächlich wieder da. Und Hatha ist nochmal eine ganz andere Herausforderung. Heute spüre ich den großen Hintern ganz eindeutig. Aber halb so wild. Die Muskeln wurden eben schon länger nicht mehr gefordert und müssen plötzlich wieder arbeiten. Da würde ich auch protestieren. Mit der Zeit wird das auch wieder einfacher.

Heute hatte ich einen Therapietermin. Den ersten seit November und dementsprechend viel zu erzählen. Es war aber wirklich ein Erzählen und gar kein aufarbeiten. Es war fast so als hätte ich eine Freundin getroffen, nur dass es nur um mich geht. Meine Psychologin hat mich dann auch gefragt, ob ich die Therapie überhaupt noch brauchen würde. Gemeine Frage! Aber wenn ich ehrlich bin, ist es mittlerweile nur noch mein Sicherheitsnetz und die Termine die Gelegenheit hemmungslos nur von mir zu erzählen ohne mich für das Gegenüber interessieren zu müssen. (Oh Gott, das klingt schrecklich.) Und ich glaube, meine Psychologin hätte tatsächlich auch eine Freundin sein können, wenn wir uns unter anderen Umständen kennengelernt hätten. Wahrscheinlich ist es deswegen die erste Therapie, die mich wirklich unfassbar weiter gebracht hat. Ich habe noch zwei von meinen 52 genehmigten Sitzungen offen. Es wird also ernst. Es ist schon ein seltsames Gefühl. Aber sie sagte, wenn ich solche Katastrophen so gefestigt durchstehe, dann ist das schon ein sehr gutes Zeichen. Und damit hat sie eindeutig Recht. Die letzten Termine ziehen wir jetzt noch hinaus, damit ich weiter sehen kann, wie das so ist. Mein nächster Termin ist im Mai. Bis dahin muss ich das Thema Ernährung im Auge behalten. Denn ich habe richtige Fressanfälle entwickelt. Da schaufle ich alles rein, was ich finden kann und so durcheinander, dass mir schlecht wird. Als ich das Vorstellungsgespräch für meinen letzten Job hatte (Februar 2016) habe ich fast 20 kg weniger gewogen als jetzt. Und die letzten 10 kg habe ich seit dem Brand. Natürlich spielt da auch der Stress eine große Rolle und es hat für mich auch immer mit Schutz zu tun. Immer wenn ich das Gefühl habe, meine Seele schützen zu müssen, nehme ich zu. Das war schon immer so. Man wird ja auch irgendwie unsichtbar, wenn man dicker ist. (Bis wann wieder richtig extrem übergewichtig ist.) Und im letzten Jahr hatte ich oft den Wunsch mich unsichtbar zu machen. Deswegen habe ich jetzt auch die Hoffnung, dass sich das „automatisch“ wieder einpendelt, sobald das Chaos um ich herum nachlässt, aber zumindest, dass ich dann wieder Kraft habe, das ganze anzugehen. Denn ich habe ja schon mal so viel abgenommen und weiß, wie es für mich geht.

Danach habe ich noch ein paar Besorgungen in der Stadt gemacht. Ich musste mir ein paar Hosen kaufen, denn wenn man nur zwei hat, die wirklich passen ist das schon eher schwierig… Und ich habe mir eine neue Kette und ein neues Armband gekauft. Als Zeichen für den Neuanfang. Wenn das Universum oder wer auch immer, das gerade für mich vorsieht, dann ist das so. Was verloren ist, ist verloren. Trotzdem möchte ich etwas, das mir Halt gibt. Und das habe ich jetzt wieder. Ein Armband mit kleiner Lotusblüte, die ich ja sowieso liebe, und ein Lebensbaum als Symbol für die Verbindung von Himmel, Erde und Unterwelt.  Das zweite Teil ist eine Kette mit Lebensblume, die alt Schutz- und Energiesymbol gilt. Ich finde, das kann ich beides gut gebrauchen.

Mit meinem Vater habe ich mich heute gestritten, weil ich nichts liegen lassen kann, ohne dass er es umräumt. „Dann musst du halt aufräumen!“ Aber ich lebe in deren Wohnzimmer! Ich muss doch irgendwo auch was ablegen dürfen? Natürlich ist das alles nicht einfach, das verstehe ich ja, aber trotzdem. Man kann sich doch nicht beschweren, ich würde nicht aufräumen, wenn man mir die Gelegenheit gar nicht lässt. Und alles zu stapeln, dass ich alles durchwühlen muss, wenn ich was brauche, ist für mich auch kein aufräumen. Ich war so sauer, dass ich gesagt habe, dass er es nur sagen soll, wenn ich ausziehen soll. Jetzt geht er mir den ganzen Tag aus dem Weg. Ich bin ja wirklich ein absolut unordentlicher Mensch, aber ich kann mich doch nicht dafür entschuldigen, dass ich mehr Raum beanspruche als eine Zuchtsau.

Ich war heute auch in meiner Wohnung gucken. Da war aber keiner von der Renovierungsfirma. Jetzt weiß ich gar nicht, was die so meinen, wie lange es wohl noch dauert… was ich gesehen habe ist, dass alle Böden raus sind, alle Tapeten entfernt, der Holzbalken wurde ersetzt oder zumindest abgeschliffen…. es geht also voran. Und ich habe wieder gesehen, wie toll diese Wohnung ist und wie gut sie mir gefällt. Also war es eindeutig die richtige Entscheidung wieder dort einziehen zu wollen.

Und mein Fazit aus den letzten Tagen: Es findet sich. Ich freue mich auf die Dinge, die noch auf mich warten und ich habe das Gefühl, dass es nur noch toller werden kann, weil ich endlich anfange auf mich selbst zu hören und für einzustehen. Das tut wirklich unheimlich gut. Es ist noch nicht alles gut, ich habe meine Baustellen. Aber es festigt sich immer mehr das Gefühl, dass ich dem gewachsen bin und meinen Weg endlich gehen kann bzw. mich endlich traue ihn zu gehen. Und das ist ein gutes Gefühl.

 

 

Es gibt ein Bleiben im Gehen, ein Gewinnen im Verlieren, im Ende einen Neuanfang.

Die Schwere geht…

Ich habe es geschafft! Ich hatte heute meinen letzten Arbeitstag. Eigentlich habe ich mich schon gestern Abend gefreut. Und heute war es dann doch irgendwie seltsam. Ich habe eine Abschiedsrunde durch die Büros gemacht und habe teilweise die nettesten Gespräche in den letzten neun Monaten geführt. Schade eigentlich. Der herzlichsten Abschied kam aber von der lieben Verena vom Empfang. Sie hat mich auch schon mit „Juchu, letzter Tag!“ begrüßt. Hanna hat mich überrascht, als sie sagte, ich soll wirklich mal melden und zu Besuch kommen. Damit hätte ich ja im Leben nicht gerechnet! Ich habe wirklich gedacht, dass sie froh ist mich los zu sein.

Als ich dann raus war, musste ich lachen. Einfach lachen, weil etwas abgefallen ist.

Die letzten Tage war ich in der Mittagspause extra draußen, um Licht und Luft zu tanken. Ich bin spazieren gegangen und hab langsam und tief geatmet, um den Druck vom Brustkorb zu kriegen.
Und jetzt ist es schon viiiiiiel besser.

Meine Mama hat heute meinen Papa aus dem Krankenhaus abgeholt und so war ich dann im Schrebergarten, um Holzbriketts zu schleppen, die heute geliefert wurden. Ich habe natürlich deutlich weniger geschafft, als die Männer, als ich war trotzdem gleichzeitig fertig, weil ich den kürzesten Weg hatte. Da hat schon an der Ehre der Männer gekratzt, die überrascht waren, dass ich das überhaupt mache. „Du als Frau, machst das?“ Ja klar! Ich wüsste nicht, wie mir ein Penis beim Tragen geholfen hätte. Zum Biertrinken war ich dann nicht mehr eingeladen, aber mittags muss ich auch kein Bier haben. Die körperliche Belastung hat aber auch nochmal gut getan und so freue ich mich jetzt riesig auf mein langes Wochenende, meine Massage am Montag, meinen Therapietermin am Dienstag und dann am Mittwoch wieder in der neuen alten Firma durchzustarten.

Schwere

Seit gestern legt sich wieder eine Schwere über mich und drückt mir den Brustkorb zusammen. Mir fällt es schwer richtig zu atmen, weil es sich anfühlt als würde mich jemand zu Boden ziehen. Ich versuche jedes Geräusch zu vermeiden. Alles klingt laut, zu laut. Und vor allem… ich würde mich am liebsten irgendwo verstecken und kein Wort reden, niemandem verraten wo ich bin und dazu muss ich leise sein. Kein Geräusch von mir geben, damit mich niemand entdeckt und auf einmal seine Erwartungen an mich stellt. Und wenn es nur zuhören ist. Denn ich habe keinen Kopf dafür mich  mit den Geschichten anderer Menschen zu befassen. Und die beschweren sich hinterher und sagen mir, was für eine schlechte Freundin ich doch bin. Jaaa, weiß ich selbst.

Gedanken, Grübeleien und Fragen beschäftigen mich den ganzen Tag. Bin ich vielleicht doch selbst schuld, dass es hier nicht geklappt hat? Habe ich zu viele Fehler gemacht? Ich bekomme ein Arbeitszeugnis, wie soll das aussehen? Ich habe hier wahrlich nichts geleistet und schon gar nichts, was zu einer guten Bewertung führen könnte. Was ist, wenn ich zu viele Hoffnung in den Neuanfang stecke? Wenn die alten Kollegen sich doch gar nicht so freuen? Wenn es nur Geläster gibt? „Kommt nach 9 Monaten schon zurück! Was ist mit der? Fett ist sie geworden. Dabei hatte sie doch so gut abgenommen Abschiedsgeschenke kassieren und dann hier wieder ankommen….“

Ich weiß, dass das die Depri-Uschi ist, die nach mir greift und mir diese Ideen in den Kopf setzt. Aber was will sie jetzt? Ich kann das gerade nicht gebrauchen. Und ich will sie auch nicht! Immer wenn ich positiv bin und wirklich glaube, dass es sich zum Guten wendet, kommt sie und versucht es kaputt zu machen. Vielleicht ist es auch ein Test. Sie probiert, wie fest ich in meiner Zuversicht bin. Aber vielleicht hat sie auch Angst, dass ich sie vergessen könnte, dass ihre Rolle in meinem Leben noch kleiner wird. Und dann muss sie mich daran erinnern, dass sie auch noch da ist, dass sie so leicht nicht aufgibt und dass sie nicht so schwach ist, wie es mir lieb wäre.

Als ich mir heute einen Kaffee geholt habe, habe ich mit einer Kollegin gesprochen, natürlich über meine Kündigung.  „Wir beglückwünschen jeden, der es schafft hier rauszukommen!“ Das zeigt doch, dass ich gar nicht so verkehrt sein kann. Und selbst wenn mein Zeugnis nicht so toll ist, selbst wenn es richtig mies ist. Wer sagt, dass ich das bei zukünftigen Bewerbungen mitschicken muss?

Auch bei meiner Bürokollegin habe ich die Sätze „Manchmal wundere ich mich, dass die Leute bei uns nicht schreiend weglaufen“ und „Wissen Sie was das schlimmste ist? Ihr alter Arbeitgeber hat sie zurückgeworben!“ aufgeschnappt. Mir war es nicht bewusst, dass gerade das so viel ausmacht. Außerdem sprach sie davon, dass sie hier als Eisklotz bezeichnet wird, aber trotzdem mit einem Lachen zur Arbeit kommen würde, weil es ihr egal wäre. So sehr ich die Einstellung befürworte, sich nicht zu sehr um die Meinung anderer Leute zu scheren befürworte, für mich wäre es ein Alptraum, wenn jemand so von mir reden würde! Ich glaube, die Kälte ist vor allem Fassade und vermutlich reiner Selbstschutz, aber trotzdem… mir laufen heute immer wieder Schauer über den Rücken. Aber es zeigt, dass ich hier nicht hingehöre, dass ich es richtig mache und wohin das alles führt, werde ich sehen. Ich lasse die Depression nicht mehr gewinnen, ich lasse mich nicht bestimmen. Auch wenn diese Schwere kaum zu ertragen ist und ich davon niemandem erzählen kann, der es auch verstehen würde.