Reingefallen…

Ich bin auf ein  Multi Level Marketing  reingefallen. Im Grunde die moderne Form des Schneeball-Systems. Gott sei Dank noch nicht als „Verkäufer“, aber als Käufer.

Die Verzweiflung um Figur und Gewicht hat dafür gesorgt, dass ich mich auf „One simple Chance“ (OSC) eingelassen habe. Deswegen auch meine „kleinen Veränderungen“.  Im Grunde beinhaltet das Ganze, zwei bis drei Liter Wasser am Tag trinken, 10 Minuten Workout täglich und ein bis zwei Mahlzeiten durch einen Shake zu ersetzen. Die Shakes kommen von Juice Plus. Es werden auch Kapseln verkauft, aber das Pulver ist schon so unfassbar teuer, dass ich (zum Glück) auf die Kapseln verzichtet habe. Nun ist es so, wie es auch mit jedem Eiweiß-Shake bei mir war. Ich kann das Dreckszeug nicht mehr sehen! Es schmeckt künstlich, ekelhaft süß und die Inhaltsstoffe sind auch eher fragwürdig.

Was mich dazu gebracht hat, trotzdem mitzumachen? Es ist ja nicht so, als würde man das vorab nicht einfach in den Untiefen des Internets finden und als wüsste ich nicht vorher, dass ich den Geschmack diverser Pulver alle ekelhaft künstlich finden würde…. Überhaupt Shakes…. Ich mag schon keine Milch. Und Mahlzeiten zu ersetzen kann doch nicht gesund sein.

Aber die Verzweiflung war zu groß. Ist sie im Grunde immer noch. Ich bin so unzufrieden mit meiner Figur, meinem Körper und  meinem Gewicht und ich schaffe es nicht so richtig, die Kurve zu bekommen. Ich habe mir mit OSC keine Wunderlösung erhofft, aber einen kleinen Anstupser. Den habe ich im Grunde ja auch bekommen, z.B. indem ich mich wieder mehr, darauf achte ausreichende zu trinken,  und indem ich mir wieder angewöhnt habe zu frühstücken. Also habe ich gar keine Mahlzeiten ersetzt, sondern eine dazu genommen. Und trotzdem habe ich einige Kilos verloren. Natürlich nicht die Massen wie andere, aber immerhin. Es gibt Videos mit Sportübungen, WhatsApp und Facebook-Gruppen usw. usf. Eigentlich ist das tatsächlich ganz geschickt gemacht. Aber die Leute, die dich betreuen kommen weder aus dem Ernährungs-, noch Fitnessbereich, sie verkaufen einfach einen „Lifestyle“. Aber will ich einen Lifestyle indem ich teure Produkte kaufe und dadurch Mahlzeiten ersetze, anstatt mich damit auseinander zu setzen, was und wie viel ich esse? Lerne ich überhaupt irgendetwas, wenn ich nur Pülverchen mische? Es heißt ja sogar „Verbote sind verboten!“.

Was mich jetzt aber besonders ins Zweifeln bring, sind tatsächlich die Inhaltstoffe. Auf der Zutatenliste steht Fruktose an zweiter Stelle. Zu Beginn habe ich ein paar PDFs mit Informationen bekommen, in den es hieß, dass man Zucker eher meiden sollte und auch bei Fruktose aufpassen sollte. Wie passt das denn zusammen? Auch in den Nährwerttabellen, sieht man, dass gute 40 Gramm Zucker auf 100 Gramm Pulver kommen. Das ist doch kein Mahlzeitenersatz, das ist eine Süßigkeit! Das kann doch kein Lifestyle sein, sich mit Zucker vollzustopfen und stattdessen (zumindest für diese Mahlzeit) auf z.B. Gemüse zu verzichten. Bei meiner Mentorin nachgefragt, hieß es, dass das Produkt aus der Schweiz kommen würde und dort die Werte als zubereiteter Shake angegeben werden müssen. Der hohe Zuckeranteil würde also vor allem durch die Laktose kommen. Außerdem hätte Fruktose einen sehr niedrigen glykämischen Index und daher auch für Diabetiker geeignet. Aber es ist sowohl Pulver als auch zubereiteter Shake angegeben. Müsste sie das nicht wissen? Sehr seltsam…. Ich werde immer skeptischer und ich glaube nicht, dass das wirklich gesund sein kann.

Als ich mich dafür entschieden habe, hieß es noch, ich könnte jederzeit die Pakete zurückschicken und würde mein komplettes Geld zurückbekommen. Ganz egal, wie viel Pulver ich schon verbraucht hätte. Komisch, der Shop ist nicht zu erreichen, der Kundenservice natürlich so ausgelastet, dass die Antwort dauern kann. Ich fürchte ja eher, das ist Konzept und fühle mich gerade ganz schön dumm, dass ich auf sowas reinfalle…

 

1. Tag der kleinen Veranderungen

Ich bin ein großer Fan von bodyacceptance und bodydiversity, d.h. ich glaube daran, dass wir alle unterschiedlich sind und unterschiedliche Korperstrukturen haben. Das wird uns nur ständig anders vorgelegt. Und deswegen ist es wichtig, sich selbst zu lieben und anzunehmen. Ich bewundere Frauen wie Ashley Grausam und Tess Holiday und finde, sie sind absolute Granaten. 

Jetzt kommt das große aber! Denn so sehr ich versuche meinen Körper wertzuschätzen und anzunehmen, wie er gerade ist, umso mehr spüre ich, dass mein Übergewicht eine Last ist mit der mein Körper sich abmühen muss – eine Belastung, die ich ihm auferlegt habe und die er zu tragen hat. Und das ist einfach zu viel. Mit dem Bluthochdruck hat er mir doch schon gezeigt, dass er überfordert ist. Gestern habe ich mein Fahrrad von meinen Eltern abgeholt und bis dann die 4km nach Hause gefahren. Abgesehen davon, dass der Poppes weh tat, kam ich auch schon ins Schwitzen. Bei 4km!

Deswegen werde ich das jetzt ernsthafter angehen! Ich habe genug gejammert. Heute morgen gab es Pancakes aus einer Banane, zwei Eiern (kann man sich gut merken hihi) und Haferflocken. Und jetzt soll es jeden Tag ein bisschen Sport sein. Ich will wieder zu meiner Schwester radeln können (etwa 25 km) ohne ein Sauerstoffzelt zu benötigen. Ich möchte im nächsten Jahr beim Firmenlauf mitmachen können. Ich würde gerne einen Hindernislauf mit Anna mitlaufen. Das hatte ich ihr in dünneren und fiteren Zeiten versprochen. Ich möchte einen Körper auf den ich stolz bin und mit dem ich wieder in eine Sauna gehe. Das möchte ich gar nicht von einem bestimmten Gewicht abhängig machen, aber von einem Gefühl. Und deswegen wird die Waage erstmal verbannt. Die macht mich nur verrückt. 

Ich starte jetzt mit 86 kg. Eigentlich wollte ich auch meine Maße nehmen, aber ich habe gar kein Maßband. Das wird also nachgeholt. Und ich habe eine Freundin gebeten Fotos zu machen, damit ich auch damit noch eine Entwicklung sehen kann. Alleine die Frage ist mir unfassbar schwer gefallen und die Fotos werden es nochmal…

Aber ich will es jetzt unbedingt schaffen und meinen Körper im wahrsten Sinne erleichtern!