„….du musst nur mal aus dir rauskommen….“

Warum denn eigentlich?

So im Großen und Ganzen bin ich ja gerne in mir. Also so phasenweise zumindest.

Was genau soll das überhaupt heißen? Und wo ist man, wenn man aus sich raus gekommen ist?

Wenn man zu dem Thema Mr.Google bemüht, bekommt man lauter Tipps, wie man seine Schüchternheit überwindet. Ich bin aber nicht schüchtern, sondern introvertiert und das ist ein riesiger Unterschied. Um es einfach auszudrücken: Ich habe keine Angst vor anderen Leuten, ich habe nur einfach keine Lust auf sie.

Natürlich habe ich auch mal meine lauten und albernen fünf Minuten. Aber noch lieber bin ich leise, höre zu, beobachte und bin „der ruhige Pol“.

Was soll daran falsch sein? Und warum muss ich daran was ändern?

Vor allem: Ich wollte selbst viele Jahre jemand anderes sein, jemand Fröhliches, Lebhaftes, Aufgeschlossenes, der sofort mit jedem ins Gespräch kommt, einen Raum zu Strahlen bringt und an den sich nachher alle erinnern.

So bin ich aber nicht und damit kann ich mittlerweile und endlich gut leben. Im Gegenteil, ich frage mich, ob ich nicht einfach zu tiefgründig, zu reflektiert bin, um so jemand zu sein. Denn darauf will ich keinesfalls verzichten.

Und schon soll ich wieder anders sein?

Mh…

Nein, ich glaube nicht. Danke

Blogparade #MEHRMUTZUMICH

Berenice ruft auf ihrem Blog zu mehr Mut zum ich auf. Das ist ja eins meiner Lebensthemen. Wer bin ich? Was macht mich aus? Was will ich eigentlich? Und vor allem: Traue ich mich, ich selbst zu sein und komme ich gut mit mir aus.

Denn ich bin damit aufgewachsen, auf andere Rücksicht zu nehmen, mich selbst zurückzunehmen und zu tun, was von mir erwartet wird. Das habe ich schon als Kind so verinnerlicht, dass ich selbst manchmal gar nicht wusste, was ICH eigentlich möchte, wen ICH mag, und in meinem Leben haben möchte usw. Ich habe abgewartet, beobachtet, um festzustellen, was von mir erwartet wird, um diese Rolle dann zu erfüllen. Meine Erwartung war, dass ich das möglichst gut machen muss, um dann mit Liebe, Aufmerksamkeit, Freundschaft usw. belohnt werde. Das ist für Freundschaften und eigentlich für alle anderen Lebensbereiche keine gute Voraussetzung, aber das war mir nicht bewusst. Ich habe so fest daran geglaubt und dafür gebetet, dass endlich jemand kommt, der mich sieht und dass es dann auch mal um mich gehen würde. Dass das zuallererst von mir kommen muss, habe ich erst viel, viel später realisiert und arbeite jetzt immer noch und immer wieder daran. Wie genau diese Erkenntnis kam, kann ich gar nicht so genau. sagen

Jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass viele Freundschaften, daran zerbrochen sind, dass ich nicht ich war und nicht greifbar. Ich habe mich so gut wie unsichtbar gemacht und war gleichzeitig traurig, dass mich niemand gesehen hat. Dazu kommt noch, dass ich damit dem Gegenüber eine unfassbare Bürde aufgelegt habe. Sie waren für mein Seelenheil verantwortlich. Und habe mich viel zu schnell zurückgesetzt gefühlt, schließlich tat ich doch alles, um ihren Ansprüchen und Erwartungen gerecht zu werden. Und weil das so anstrengend ist, konnte ich selten mehr als ein oder zwei (abgesehen von meiner Familie) um mich haben.  Das hat mich natürlich alles andere als glücklich gemacht. Wie sollen andere meine Bedürfnisse sehen und erfüllen, wenn ich selbst jegliches Gespür dafür verloren hatte? Wie sollen sie mich ernst nehmen, wenn ich es mir selbst nicht zugestehen kann? Und letztendlich führt das zu der allseits bekannten Aussage: Dich kann niemand lieben, wenn Du es selbst nicht tust. (Auch, wenn sich immer noch ein Stimmchen meldet, das sagt: „Wie solltest du dich selbst lieben können, wenn es sonst auch niemand tut?!“ Aber das ist vielleicht auch wie die Sache mit dem Ei und dem Huhn)

 

So, die Sache mit der Selbstliebe: Berenice sagt, ich soll folgendes aufschreiben „5 Bereiche meines Körpers, die ich mag / 5 Dinge, die ich gut kann / 5 positive (!) Eigenschaften, die mich auszeichnen“

Okay, fangen wir an:

5 Bereiche meines Körpers, die ich mag.

Mhh…das ist schwer zu beantworten, wenn man gerade dabei ist sein All time-Höchstgewicht zu knacken. (1,3 kg bin ich noch drunter.) Überhaupt geht mir dieses ständige Schwanken auf die Nerven. Aber im Grunde kenne ich es überhaupt nicht anders.

Andererseits hat Schönheit mal so gar nichts mit Gewicht zu tun und es geht auch nicht darum, was ich schön finde, sondern was ich mag und das muss streng genommen nicht das gleiche sein.

  • Ich mag meine Augen. Weil sie so schön grün sind und je nach Stimmung oder Wetterlage (keine Ahnung, wonach das geht) von oliv-grün-grau bis ganz warmes moosgrün mit braunen Sprenkeln, viele Nuancen annehmen.
  • Meine kleinen Füße. Füße sind eigentlich keine schönen Körperteile und meine sind breit mit kurzen, krummen Zehen. Das Ideal ist definitiv anders, aber ich mag, dass sie so klein sind – rein optisch und dass sie mich trotzdem tragen. Ich glaube, eine Gewichtsverteilung auf etwas mehr Fläche wäre bestimmt vorteilhaft, aber egal…. Meine Schuhe sehen immer süß und niedlich aus.
  • Ich mag meine Haare und dass mir im Grunde so ziemlich jede Frisur steht. Ich mag sie nur lieber länger. Aber ich habe viele Haare, die nicht Spaghetti mäßig hängen, sondern ihren eigenen Kopf haben. Ich habe aufgegeben sie bändigen zu wollen und so ist es eigentlich auch viel schöner.
  • Ich mag meinen Hintern. Auch jetzt in groß und leicht unförmig. Aber im Großen (hihihi) und Ganzen ist er verhältnismäßig knackig und das finde ich super.
  • Ich mag mein Lächeln. Wenn es warm und von Herzen kommt, liebe ich es umso mehr.
  • Ich füge einfach noch einen Punkt ein, der aber eigentlich nicht im direkten Sinne ein Körperteil ist, also im Grunde auch gar nicht zählt. Ich mag meine Tätowierungen. Selbst das, das ich mir jetzt nicht mehr stechen lassen würde. Aber damals war es genau das, was ich wollte!

 

5 Dinge, die ich gut kann

Das finde ich schwer. Ich kann vieles, aber nichts so richtig gut. Vielleicht bin ich auch schon Superstar-gestört, aber was kann ich denn gut?

  • Zuhören. Ich liebe es anderen Menschen einfach zu lauschen und mir ihre Gedanken, Geschichten und Sorgen anzuhören. Es gibt auch Menschen, die mir mehr verraten, als sie eigentlich wollen, dabei stelle ich kaum Fragen. Aber ich bemühe mich jeden so anzunehmen wie er ist und wo er gerade steht und ich glaube, dass das schon unheimlich viel ausmacht.
  • Reflektieren. Das wird mir auch gerne von meiner Psychologin und meinem Psychiater rückgemeldet. Aber auch von anderen höre ich das. Das stimmt auch, aber ich bin mir manchmal nicht ganz sicher, ob es so eine super Eigenschaft ist. Denn seine Fehler zu erkennen, aber sie doch nicht ändern zu können, ist ein ziemlich frustrierendes Gefühl. Andererseits bin ich natürlich weiter als die, die gar nicht erkennen können, was falsch läuft. Auch die Zeiten kenne ich noch… insofern ist es doch gut, dass ich ein (selbst-)reflektierender Mensch bin.
  • Lachen! Ich lache viel. Eine Kollegin sagte letztens noch, wie sehr sie das vermisst hätte und ich selbst bin auch lieber fröhlich. Na ja, Emotionsbombe eben. 😉 Aber mir wurde als Kind mal gesagt, ich würde immer so aussehen, als hätte mir jemand was getan. Also freue ich mich umso mehr, dass ich Grunde und trotz Depression ein relativ fröhlicher Mensch bin.
  • Geheimnisse für mich behalten. Ich bin wirklich loyal und verschwiegen. Wenn mir jemand etwas anvertraut würde ich es niemals weitertragen.

Keinem Partner, keiner noch so guten Freundin – selbst wenn ich mir durch das Wissen einen Vorteil verschaffen könnte. Geheimnisse sind bei mir sicher verwahrt.

  • Ruhig und gelassen bleiben. Damit hatte ich lange, lange riesige Probleme, weil ich lieber jemand sein wollte, der in einen Raum kommt und direkt mit anderen Leuten ins Gespräch kommt, als würde er sie ewig kennen. Jemand an den sich direkt erinnert wird. An mich erinnert sich niemand, weil ich ruhig und zurückhaltend bin. Aber der große Vorteil ist, dass ich mich auch nicht so schnell aus der Bahn werfen lasse und ein feines Gespür dafür habe, wie es anderen Menschen geht. Und wenn man die richtigen Leute um sich hat, dann kann ich auch sehr gut ruhig bleiben.

 

5 positive (!) Eigenschaften, die mich auszeichnen

Okay, sie sollen positiv sein. Negative würden mir eindeutig direkt und mehr als 5 einfallen. Aber darum soll es hier ja nicht gehen…. Zeigt aber auch wieder, wie sehr das mein Thema ist.

  • Ich bin viel stärker als ich es mir selbst zutraue. Das zeigt ja alleine die ganze Brandgeschichte
  • Ich bin ein Gefühlsmensch (manchmal sage ich auch Emotionsbombe), aber ich finde es gut, meine Gefühle ausleben zu können. Es gab zum Beispiel Yogastunden in denen ich nur geweint habe. Aber danach war es dann gut, weil es raus war. Und ich gebe auch acht auf die Gefühle anderer Menschen, zumindest bemühe ich mich darum.
  • Vielseitig interessiert. Ich kann mich für viele Sachen begeistern und probiere gerne neue Dinge. Als nächstes steht eine Schnupperstunde Hula-Dance an. Und dabei bin ich auch relativ mutig, denn schon mein ganzes Leben lang, mache ich immer wieder Dinge, vor denen ich eigentlich Angst habe.
  • Ich bin geduldig. Es dauert lange, bis ich ausraste oder nervös werde, wenn etwas nicht klappt. Alles braucht seine Zeit und das Gras wächst nicht schneller, weil ich daran ziehe.
  • Ich bin nett. Im Ruhrgebiet sagen wir zwar gerne, dass nett die kleine Schwester von scheiße wäre, aber ich bin gerne freundlich, höflich, rücksichtsvoll, usw. Ich bin auch nett, zu Leuten, die ich nicht mag. Denn manchmal können diese Menschen, selbst gar nichts dafür, dass ich sie nicht mag. Ich finde auch nicht, dass man sich Respekt verdienen muss, sondern dass erstmal jeder Respekt verdient hat und er etwas tun muss, damit ich den Respekt verliere. Außerdem gilt, dass wir nie wissen, was in einem Menschen vorgeht und welches Päckchen er/sie zu tragen hat, insofern kann ich nicht urteilen und schon gar nicht unverschämt sein. (Dafür ärgern mich Unverschämtheiten und Rücksichtlosigkeiten nur umso mehr!)

Wow, das war sogar noch schwerer als gedacht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich bei „Was ich gut kann“ fast geschummelt, weil ich einige positive Eigenschaften umformuliert habe, so dass sie auch dort passen. Ich bin eben zu selbstkritisch. Denn ich finde, dass ich schon vieles einigermaßen kann, aber eben nichts so wirklich wirklich gut. Ich habe kein besonderes Talent oder Gabe. Aber vielleicht muss das auch gar nicht sein. Es ist eben so. Ich bin eben so.

Berenice macht sich in ihrem Aufruf auch Gedanken zur Schönheit und auch ich musste darüber nachdenken. Denn ich glaube, dass Schönheit unheimlich viel mehr ist, als das rein optische Äußere. Alleine die Ausstrahlung macht so viel aus. Und ich glaube ganz fest daran, dass man automatisch strahlt, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Wenn  man durchs Leben geht und alles schlimm und anstrengend findet und grundsätzlich unzufrieden ist, dann strahlt man das ganz bestimmt auch aus.

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Und zum Schluss:

Liebe Berenice, (ein wunderschöner Name übrigens), ich danke dir von ganzem Herzen, dass du mich durch deinen Aufruf dazu gebracht hast, mich mit mir selbst auseinander zu setzen und mir so selbst vor Augen zu führen, wie sehr sich mein Selbstbild verbessert hat. Luft nach oben ist natürlich immer, aber ich bin soooo stolz, was ich mir schon erarbeitet habe und genau sowas, hilft mir immer wieder. Deswegen sollte ich das wirklich regelmäßiger machen. Ich bin gespannt auf die Erfahrungen und Erkenntnisse der anderen Teilnehmer.